Spurensuche. No. 46
Die Kolumne von Axel Bußmer
Tops und Flops 2008
Was waren die Höhepunkte des Jahres? Was waren die größten Enttäuschungen?
Hier sind meine Favoriten des Jahrgangs 2008.
BÜCHER
Sehr viele sehr gute Bücher und einige Enttäuschungen. Damit die alten Helden nicht alle Plätze belegen, gibt es zwei Kategorien: "Altmeister" und "Junges Blut".
Tops
Altmeister
Lawrence Block: Hit and run, 2008
(das vielleicht letzte Keller-Abenteuer.)
John le Carré: Marionetten (A most wanted man), 2008
(endlich wieder ein lesbarer le Carré)
Lee Child: Sniper (One Shot, 2005)
Frank Göhre: MO - Der Lebensroman des Friedrich Glauser, 2008
John Harvey: Schlaf nicht zu lange (Darkness & Light, 2006)
(der Abschluss der Frank-Elder-Trilogie)
Jack Ketchum: Blutrot (Red, 1995)
(eine kleine, ökonomisch erzählte Geschichte über einen ermordeten Hund)
George Pelecanos: The Turnaround
(weil "Der Totengarten" bereits in meiner 2006er-Liste war)
Ian Rankin: Ein Rest von Schuld (Exit Music, 2007)
Eindeutig Mord (A good hanging, 1992)
(der letzte Rebus, zwölf Rebus-Kurzgeschichten und als Ergänzung
"Rebus's Scotland - A Personal Journey")
Richard Stark: Dirty Money, 2008
(weil "Fragen Sie den Papagei bereits in der 2007er-Liste war)
Andrew Vachss: Der Fahrer (The Getaway Man, 2003)
(Ein in schönster Pulp-Tradition geschriebenes Einzelwerk des Burke-Erfinders)
Junges Blut
ist, weil einige der Autoren schon länger im Geschäft sind und teilweise erst jetzt in Deutschland veröffentlicht wurden, eine etwas irreführende Kategorie:
Raúl Argemi: Chamäleon Cacho (Penúltimo nombre de guerra, 2004)
Alex Berenson: Kurier des Todes (The Faithful Spy, 2006)
(ein gutes, hier kaum beachtetes Debüt)
Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal 1 - Feigling (Criminal 1: Coward, 2007),
Criminal 2 - Blutsbande (Criminal 2: Lawless, 2007),
Sleeper 1 - Das Schaf im Wolfspelz (Sleeper: Out in the cold, 2003)
Ed Brubaker/Colin Wilson: Point Blank (Point Blank, 2003)
Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewart: Will Eisner's The Spirit - 1 (The Spirit, No. 1 - 6, 2007)
Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiotti: Will Eisner's The Spirit -2 (The Spirit, No. 7 - 12, 2007/2008)
Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout (Whiteout, 1998/1999),
Whiteout: Melt (Whiteout: Melt, 1999/2000)
Erfreulichstes Ereignis
Das deutsche Imprint von Hard Case Crime. Bisher sind erschienen:
Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse (Kiss her goodbye, 2005)
Lawrence Block: Abzocker (Grifter's Game, 1961)
Ken Bruen/Jason Starr: Flop (Bust 2006)
- Die grandiosen Folgewerke "Slide" und "The Max" werden auch übersetzt.)
Christa Faust: Hardcore Angel (Money Shot, 2008)
Richard Aleas: Tod einer Stripperin (Little Girl Lost, 2004)
Donald E. Westlake: Mafiatod (361, 1962)
Mickey Spillane: Das Ende der Straße (Dead Street, 2007)
Alle lesenswert.
Flops
Da gab es einige, aber weil nur vollständig gelesene Bücher eine Chance haben, in diese Liste aufgenommen zu werden, sieht die Flop-Liste so aus:
Jacques Berndorf: Bruderdienst, 2007
(Boah, da ist sogar eine Nachmittagssoap realistischer.)
Sebastian Faulks: Der Tod ist nur der Anfang (Devil may care, 2008)
(James Bond in den Händen eines Literaten. Ein Desaster für beide Seiten.)
Rainer Gross: Weiße Nächte, 2008
Norbert Horst: Sterbezeit, 2008
Rex Miller: Fettsack (Slob, 1987)
Robert B. Parker: Der gute Terrorist (Now & Then, 2007)
(ein lahmes Spenser-Abenteuer)
Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot (A field of darkness, 2006)
(Als softer Romantic-Thriller vielleicht okay, aber nachdem das Buch für mehrere Krimipreise nominiert war, sollte es doch etwas besser sein.)
Spielfilme
In der Gesamtschau sind meine diesjährigen Lieblingsfilme ein Mix aus Schauspielerkino und altmodischem Geschichtenerzählerkino, das erstaunlich oft eine Brücke schlägt zwischen dem Kino der Siebziger (teilweise spielen sie auch in den Siebzigern) und der Gegenwart.
Tops
Bank Job
(GB 2008, Regie: Roger Donaldson, Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais)
Brügge sehen ... und sterben?
(B/GB 2008, Regie/Drehbuch: Martin McDonagh)
Burn after reading
(USA 2008, Regie/Drehbuch: Joel & Ethan Coen)
Chicago 10
(USA 2007, Regie/Drehbuch: Brett Morgen - eine Doku)
Cloverfield
(USA 2008, Regie: Matt Reeves, Drehbuch: Drew Goddard)
Helden der Nacht
(USA 2007, Regie/Drehbuch: James Gray)
Im Tal von Elah
(USA 2007, Regie/Drehbuch: Paul Haggis)
Der Krieg des Charlie Wilson
(USA 2007, Regie: Mike Nichols, Drehbuch: Aaron Sorkin)
No Country for old Men
(USA 2007, Regie/Drehbuch: Joel & Ethan Coen)
Tödliche Entscheidung - Before the devil knows you'r dead
(USA 2007, Regie: Sidney Lumet, Drehbuch: Kelly Masterson)
Bonus-Film
Weil ich zu den wenigen Menschen gehöre, die diese Harlan-Coben-Verfilmung im Kino und nicht nur auf DVD sehen konnte:
Kein Sterbenswort
(F 2006, Regie: Guillaume Canet, Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre)
Szene des Jahres
Cassandras Traum
(GB/USA/Fr 2007, Regie/Drehbuch: Woody Allen)
(Tom Wilkinson als reicher Onkel aus Amerika fordert im strömendem Regen, unter einer Trauerweide, von der nichtsnutzigen Verwandtschaft Ewan McGregor und Colin Farrell die dringend benötigte Solidarität ein. Sie sollen einen Mord begehen.)
Flops
Mit großem Abstand überzeugend gewonnen:
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
(USA 2008, Regie: Steven Spielberg, Drehbuch: David Koepp)
(Ein zugequasselter Action-Film. Das Buch zum Film von James Rollins ist viel besser.)
James Bond - Ein Quantum Trost
(GB/USA 2008, Regie: Marc Forster, Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade)
(Bislang schlechtester Bond-Film, aber in einigen Jahren in Seminaren vielleicht als Lernmaterial für "Wie man einen Film nicht drehen sollte" gewinnbringend einsetzbar.)
TV-Serien
Tops
Amerikanische Serien
In Deutschland überzeugten sie nur die Kritiker und einige wenige Zuschauer. In ihrer Heimat sind sie Beispiele für Qualität und Quote:
Damages - Staffel 1
(Anwaltsserie mit Glenn Close. In den USA läuft, wegen des Autorenstreiks, erst jetzt die zweite Staffel.)
Dexter - Staffel 1
(Sind wir nicht alle ein wenig Dexter?)
Prison Break - Staffel 2
(oder: Nach dem Ausbruch ist vor der Flucht quer durch die Staaten. Die zweite Staffel gefiel mir besser als die erste. In der dritten Staffel sitzen die Jungs wieder im Knast.)
Shark - Staffel 1, Staffel 2
(James Woods als Rampensau im Gerichtssaal. Was will man mehr? - Die zweite Staffel wurde ein Opfer des Autorenstreiks.)
24 -Staffel 6
(Trotz dem ganzen Gemecker, ist die Action-Serie immer noch spannend.)
The Unit - Staffel 1, Staffel 2
(Die Serie mit Dennis Haysbert lief bereits 2007, aber ich habe sie erst 2008 gesehen. Jede Folge zeigt, was aus "GSG 9" hätte werden können.)
Flops
Deutsche Serien, wie:
Die Anwälte
Deadline - Jede Sekunde zählt
Dr. Molly & Karl
GSG 9
Post Mortem
R. I. S.
Unschuldig
Auch ohne die teilweise überdeutlichen Vorbilder aus Hollywood: letztendlich sind sie alle zu Recht gefloppt. Da half auch keine unfreiwillige Komik.
Die Gründe für das Scheitern liegen nicht am Budget (gern benutzte Ausrede) und nur zu einem Teil an der Optik, aber zu einem großen Teil an den Schauspielern (einige waren einfach fehlbesetzt) und, hauptsächlich, an den Drehbüchern.
TV-Filme
Top
Ohne weitere Kommentare:
Mogadischu
(D 2008, Regie: Roland Suso Richter, Drehbuch: Maurice Philip Remy)
Mord auf Seite eins
(GB 2003, Regie: David Yates, Drehbuch: Paul Abbott)
Nachtschicht: Ich habe Angst
(D 2008, Regie/Drehbuch: Lars Becker)
Unter Verdacht: Brubeck
(D 2008, Regie: Ed Herzog, Drehbuch: Wolfgang Stauch)
Unter Verdacht: Die falsche Frau
(D 2008, Regie: Isabel Kleefeld, Drehbuch: Isabell Kleefeld, Oliver Pautsch)
Flop
Fleisch
(D/Südafrika 2007, Regie: Oliver Schmitz, Drehbuch: Thomas Gaschler)
Gescheitertes Remake, das eindeutig in die Kategorie "Man muss das Original nicht kennen, um zu wissen, dass das ein schlechter Film ist" gehört.)
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