Die Alligatorpapiere



Spurensuche.
Die Kolumne von Axel Bussmer



Spenser und die blonde Witwe

Über Robert B. Parkers 29. Spenser-Roman

Sogar Rita Fiore hält ihre Klientin für schuldig. Aber Spenser soll trotzdem Beweise für die Unschuld der blonden Witwe Mary Smith finden. Sie soll ihren wesentlich älteren, stinkreichen Mann umgebracht haben. Die Witwe behauptet, während des Mordes in einem der unteren Zimmer ferngesehen zu haben. Das ist natürlich kein parker-die-blonde-witweüberzeugendes Alibi. Außerdem hatte sie wenige Stunden vorher vor zwei Dutzend Zeugen auf einer Cocktailpartei mit ihrem Mann einen heftigen Streit.
Bereits auf den ersten vier Seiten hat Robert B. Parkers in Boston ermittelnder Privatdetektiv Spenser (kein Vorname) seinen Auftrag und wir befinden uns wieder einmal in dem sich seit Jahrzehnten kaum verändernden Spenser-Kosmos.
Seinen ersten Auftritt hatte Spenser 1973 in "Spenser und das gestohlene Manuskript" (The Godwulf Manuscript). Damals waren Kritiker und Leser von diesem neuen, selbstironischen Privatdetektiv begeistert. Denn nach den erfolgreichen Romanen der Dreieinigkeit Hammett-Chandler-Macdonald gab es unzählige Nachahmer auf dem Gebiet des Privatdetektiv-Romans, die Grenzen waren ausgelotet, die bekannten Formeln endlos reproduziert, es wurde vom Ende des Hardboiled-Romans gesprochen und es gab keine innovativen neuen Autoren. Die Zeit für eine gründliche Revision der Figur des Privatdetektivs war gekommen.
Mit Spenser betrat ein neuer Privatdetektiv die Bühne. Er diente im Korea-Krieg, war Polizist und professioneller Boxer. Jetzt treibt er immer noch viel Sport und trainiert regelmäßig. Er scheut sich nicht, wenn die Gegner nicht bereits durch seine Sprüche in die Enge getrieben wurden, seine Fäuste und seine Pistole zu benutzen. Das ist noch innerhalb der bekannten Regeln. Dazwischen kocht er und zitiert Dichter. Er ist der linksliberale, Frauen verstehende und achtende Mike Hammer für die gebildeten Leser der New York Times. Auch dies veränderte das Bild des Privatdetektivs nicht sehr.
Aber: im Gegensatz zu den klassischen Privatdetektiven ist Spenser kein Einzelgänger. Er hat ein soziales Leben. Er hat Freunde und gute Beziehungen zur Polizei. Manchmal wird er, was dem Mann von Continental Op (Hammett gab ihm nie einen Namen), Philip Marlowe, Lew Archer oder auch Mike Hammer nie passiert wäre, von befreundeten Polizisten mit Ermittlungen beauftragt ("Tödliches Rot" [Crimson Joy]), oder hilft einem Polizisten seine Frau aus der Hand von Gangstern zu retten ("Brutale Wahrheit" [Thin Air]). Der skrupellose Killer Hawk hilft ihm dabei. Gemeinsam sind beide unbesiegbar. Sie können, ohne sich zu verletzten, eine ganze Armee in einem Schusswechsel besiegen.

Spensers Umfeld: Susan und Hawk

Für den vierten Spenser-Roman "Auf eigene Rechnung" (Promised Land) erhielt Robert B. Parker den Edgar als bester Kriminalroman des Jahres.
Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden wichtigsten Bezugspunkte in Spenser Universum vorhanden: Susan Silverman und Hawk.
Die Psychologin Susan Silverman lernte Spenser in dem zweiten Roman "Kevins Weg ins andere Leben" (God save the child) kennen. Da arbeitete sie als Schulpsychologin und es beginnt eine normale Detektiv-Frau-Beziehung. Sie gefällt ihm. Sie haben Sex. Normalerweise würde Susan Silverman, wie die anderen Gespielinnen in Privatdetektivromanen, nach dem Ende des Buches in Vergessenheit geraten. Denn die einzige Frau, die in einem Detektivroman ein längeres Leben hat, ist die Sekretärin des Detektivs. Aber Robert B. Parker ließ Susan im dritten Spenser-Roman wieder auftreten. Sie wurde zu seiner Freundin und bereicherte Spensers Leben nicht nur sexuell. Da ist es schon überflüssig zu sagen, dass Spenser, im Gegensatz zu dem normalen Hardboiled-Detektiv, monogam lebt.
In den nächsten Romanen bildete Susan Silverman sich fort, war in verschiedenen Positionen an mehreren Universitäten und sie hatte Freunde. Sie nahm eine Stelle in Washington, D. C. an. Es wurde zu einer Fernbeziehung. Sie fand einen anderen Mann parker-robrt-bund verließ Spenser in "Spenser Abschied" (Valediction). Für Spenser waren dies schwierige Jahre.
Im nächsten Roman "Spenser auf der Flucht" (A Catskill Eagle) erfährt Spenser, dass Susan in Lebensgefahr schwebt. Zusammen mit Hawk beginnt er seine Ex-Freundin quer durch Amerika zu suchen. Diese gewalttätige Odyssee endet schließlich in der Wiedervereinigung des Paares Spenser-Susan Silverman. Seitdem sind sie, auch ohne Trauschein, ein Paar, das in getrennten Wohnungen lebt. Mit dem Hund Pearl und dem quasi-adoptierten Paul Giacomin sind sie eine kleine, ideale Patchwork-Familie. Vereinzelte Versuche von Susan ihren Freund Spenser zu überreden, zu heiraten oder mit ihr in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen, endeten regelmäßig in dem von Spenser vorhergesagten Desaster. Denn Spenser ist, wie jeder gute Detektiv, besessen von seiner Unabhängigkeit.
Sie erklärt ihm, in langen Gesprächen, psychologisch die Welt und erteilt ihm, wenn er einen Menschen umbringen musste, auf den letzten Seiten der Geschichte die moralische Absolution.
Die zweite Konstante ist der erstmals in "Leichte Beute für Profis" (Promised Land) auftauchende Auftragsschläger, Killer und Casanova Hawk. Er ist Spensers dunkle Seite.
In "Leichte Beute für Profis" arbeitet Hawk für die Bösen und er soll Spenser umbringen. Aber er tut es nicht; was der Beginn einer langen Freundschaft ist.

"Wissen Sie, ich und Ihr Macker da, wir haben 'ne Menge gemeinsam. Das hab' ich Ihnen ja schon mal gesagt. Und so viele sind von uns nicht mehr übrig. Jungens wie der alte Spenser und ich. Ohne ihn wären wir noch einer weniger gewesen. Er hätte mir eben gefehlt. Und außerdem war ich ihm einen schuldig, wegen heute morgen."
"Sie hätten es auch nicht getan, wenn er Sie heute früh nicht vor der Polizei gewarnt hätte", sagte Susan.
"Seien Sie sich da nicht so sicher, Baby. Ich hab's oft getan. Sehr oft." Hawk sah mich an. "Jedenfalls, alter Junge, wir sind quitt. Außerdem ...", er sah wieder zu Susan herüber und grinste, "außerdem hab' ich Leute nie leiden können, die sich in Gegenwart von Damen so schlecht benehmen." Er schüttelte den Kopf. "So'n schlechtes Mundwerk, Mann."
(Robert B. Parker: Leichte Beute für Profis)

Seitdem ist der Soziopath Hawk der unbesiegbare coole afroamerikanische Supermann, parker-robert-b-widows-walk.jpgder immer von Schönheiten begleitet wird, über ein großzügiges Bankkonto verfügt und seiner, in den Romane höchstens in vereinzelten Nebensätzen thematisierten, verbrecherischen Arbeit nachgeht, Spensers Buddy. Die Unterschiede zwischen ihnen sind minimal. Hawk hat, wenn sie den Tod verdienen, keine Skrupel auch wehrlose Menschen umzubringen. Spenser hängt dagegen dem Ideal eines fairen Duells an. Und Spenser muss nach seinen Taten mit Susan darüber reden. Hawk hat dies nicht nötig. Größere Unterschiede zwischen den beiden gibt es nicht. Denn, obwohl sie auf verschiedenen Seiten des Gesetztes stehen, haben sie den gleichen Ehrenkodex. Und das ist, wie Hawk bereits in "Leichte Beute für Profis" erklärte, wichtiger als der ganze Rest.
Seit etwas zwanzig Jahren befinden sich alle drei in einer in erfolgreichen Serien häufig anzutreffenden Zeitschleifen (Denken Sie nur an Die drei??? oder den immerjungen James Bond). Sie altern nicht mehr. Ihr Charakter ändert sich nicht mehr. Ihre Beziehungen untereinander sind stabil.
Das einzige Anzeichen für das Vergehen der Jahreszeiten ist Susans Hund Pearl. In "Die blonde Witwe" hat sie bereits alle Beschwerden des Alters. Im nächsten Spenser-Abenteuer "Back Story" stirbt sie. Spenser und Susan müssen sich einen neuen Hund zulegen.

Spensers Abenteuer: eines pro Jahr

In Fankreisen sind vor allem die ersten vier Spenser-Romane hoch angesehen. Aber auch in den folgenden Jahren gab es immer wieder überzeugende Spenser-Romane. Bis in die Achtziger entwickelten sich die Figuren, die Beziehungen veränderten sich und die Romane bauten etwas aufeinander auf. Aber seitdem Spenser und Susan am Ende von "Spenser auf der Flucht" den Bund fürs Leben schlossen, hörten sie auf zu altern. Genau wie in den episodischen TV-Serien durchleben sie seitdem in einem festgesteckten Rahmen ihre Abenteuer. Das gleiche, nur anders.
Nach einigen schwächeren bis sehr schwachen Spenser-Romanen in den Achtzigern, wurden die Spenser-Romane in den Neunzigern wieder besser. Seitdem laufen die Abenteuer zuverlässig wie ein VW-Käfer. Immer ist Robert B. Parkers Sprache ausgezeichnet, die Einzeiler treffend, die Dialoge vergnüglich zu lesen und die einfach geplottete Geschichte hat fast immer logische Probleme.
Thematisch beackerte Robert B. Parker das bekannte Feld der Privatdetektivromane: verschwundene Kinder, Erpressung, Mord, Organisiertes Verbrechen und Bandenkriminalität. Immer wieder ermittelt Spenser an Universitäten. Immer wieder beschäftigt sich Robert B. Parker mit Spensers Verhaltenskodex und wie unvereinbar er mit feministischen Vorstellungen ist.
Am deutlichsten ist diese Gegenüberstellung zweier Bilder von Männlichkeit in "Bodyguard für eine Bombe" (Looking for Rachel Wallace). In diesem Buch muss Spenser eine Frauenrechtlerin beschützen. Natürlich tut Spenser das so, wie er es kann: er bringt ihre Feinde um und sie bedankt sich bei ihm.
Zwei weitere Diskussionen sind in den Spenser-Büchern präsent: die Beziehungen zwischen Afroamerikanern und Weißen und die veränderte Wahrnahme von Homosexualität. Beides war in den frühen Hardboiled-Romane bereits eindeutig beantwortet worden, aber die gesellschaftlichen Umwälzungen der Sechziger Jahre und die daran anschließenden Diskussionen hinterließen in Spensers Welt deutliche Spuren.

"Was, klinge ich nicht etwa wie ein authentischer Ghetto-Neger?", fragte ich.
"Du klingst wie ein Arschloch", antwortete Hawk.
"Tja, da ist was dran," sagte ich.
(Robert B. Parker: Die blonde Witwe)

In "Finale im Herbst" (Early Autumn) tritt Paul Giacomin, ein fünfzehnjähriger, antriebloser Jugendlicher, zum ersten Mal in Spenser Leben. Nachdem Pauls Eltern sich in ihrem Scheidungskrieg immer mehr verbeißen, ergreift Spenser für den Jungen Partei. Er fährt mit ihm in die Wälder von Maine und bringt ihm das bei, was er von seinem Vater lernte. Das ist, neben dem Macho-Code und Sport auch das Bauen einer Hütte. Am Ende des Buches hat Paul ein Ziel für sein weiteres Leben. In diesem Buch übernimmt Spenser – ganz im Gegensatz zu den normalen Hardboiled-Detektiven – die Rolle eines Lehrers. Der Krimiplot bildet nur den Rahmen für eine gelungene Entwicklungsgeschichte.
Auch in anderen Büchern kümmert Spenser sich immer wieder um Jugendliche und junge Erwachsene. In "Einen Dollar für die Unschuld" (Ceremony) und "Wer zähmt April Kyle?" (Taming a Sea Horse) hilft er April Kyle, deren Lebenstraum es ist, eine Prostituierte zu sein.
In "Spießgesellen" (Playmates) nimmt dies groteske Züge an. Denn Spenser ist bei seinen Ermittlungen mehr damit beschäftigt, herauszufinden warum niemandem auffiel, dass der afroamerikanische Basketball-Star der Taft Universität, Dwayne Woodcock, nicht lesen kann. Dass er auch Spiele schieben soll, ist Spenser dagegen ziemlich egal.
In dem Quasi-Western "Potshot" beschützen Spenser und seine sechs Freunde das in Arizona liegende Städtchen Potshot gegen die von dem Prediger geleitete Verbrecherbande. In dieser Neuauflage des Western "Die glorreichen Sieben" für das 21. Jahrhundert kämpfen die guten Verbrecher (also Spensers Freunde) gegen eine halbe Hundertschaft böser Verbrecher.

"What are you going to use from the window?"
"The Heckler," Vinnie said.
"Good choice," I said.
"Of course it is," Vinnie said.
"I will use a handgun," Chollo said. "Giving me a shotgun is like asking Picasso to paint with a broom."
Vinnie nodded.
"Just what I need," I said. "A couple of divas."
I looked at Bobby Horse.
"I suppose you want a bow and arrow," I said.
"Kiowas are flexible," he said.
(Robert B. Parker: Potshot)

parker-widows-walk.jpgInsgesamt sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Spenser-Romanen in den vergangenen fünfzehn Jahren auf Details geschrumpft. Spenser, Hawk, Susan, ihre Freunde bei den Guten und den Bösen laufen durch die Abenteuer, liefern sich witzige Dialoge und am Ende ist die Welt wieder in Ordnung. Jedenfalls mehr oder weniger. Auch die Länge der Bücher änderte sich nicht. "Die blonde Witwe" ist ungefähr genauso lang wie Spensers erstes Abenteuer. Im direkten Vergleich sind Spensers spätere Abenteuer schwächer als seine ersten Fälle. Aber immer sind es sehr vergnügliche Privatdetektivromane.

Spensers Erfinder: Robert B. Parker

Robert B. Parker startete seine Spenser-Serie gut informiert. Bevor er "Spenser und das gestohlene Manuskript" schrieb, reichte er 1971 an der Bostoner Universität im Fachbereich "Englische Literatur" die Dissertation "The Violent Hero, Wilderness Heritage and Urban Reality: a Study of the Private Eye in the Novels of Dashiell Hammett, Raymond Chandler and Ross MacDonald" ein. Für die Wahl des Themas gibt Robert B. Parker einen einfachen Grund an. Er hatte als Teenager bereits alle gelesen und bewunderte sie. 1984 veröffentlichte er mit einer kleinen Auflage unter dem Titel "The Private Eye in Hammett and Chandler" eine leicht gekürzte Fassung seiner Doktorarbeit.
Geboren wurde Robert Brown Parker am 17. September 1932 in Springfield, Massachusetts. Er blieb das einzige Kind von Carroll und Mary Pauline Parker. 1954 erhielt er am Colby College in Maine seinen B. A. in Englisch. Er war Infanterist in Korea.
Am 26. August 1956 heiratete er Joan Hall, mit der immer noch verheiratet ist. Anfang der achtziger Jahren trennen sie sich, wie Spenser und Susan, für eine kurze Zeit. Mit Joan schrieb er mehrere Bücher und Drehbücher. Fast jedes seiner Bücher widmet er ihr und oft gleichzeitig ihren beiden Söhnen David und Dan. David wurde 1959 geboren und ist Choreograph. Dan wurde 1963 geboren und ist Schauspieler.
Auch hier fällt eine Parallele von Parkers Leben und Spensers Abenteuern auf. Im 1981 erschienen, seinen Söhnen gewidmetem Buch "Finale im Herbst" erzieht Spenser einen Teenager. Am Ende des Buches möchte Spensers Zögling ein Tänzer werden.
1957 erhielt Parker seinen M. A. in Englisch an der Universität Boston.
In den nächsten fünf Jahren hatte er verschiedene Jobs. 1962 meldete er sich, auf Joans Betreiben, im Ph. D. Programm der Universität Boston an. Er hoffte, mit einer Stelle als Lehrer mehr Zeit zum Schreiben zu haben. In den folgenden Jahren unterrichtete er an verschiedenen Universitäten bis er 1968 an der Northeastern University Assistenzprofessor in Englisch wurde. Dort blieb er bis 1978. Der Hauptgrund für seine Kündigung war, dass er dort jeden Mittwoch unterrichten musste. Aus Robert B. Parkers Sicht war dies ein Tag, an dem er nicht Schreiben konnte.
Seitdem veröffentlicht er jedes Jahr einen neuen Spenser-Roman. In den Achtzigern schrieb er ein von Raymond Chandler begonnenes Manuskript fertig ("Einsame Klasse" [Poodle Springs]) und "Tote träumen nicht" (Perchance to dream), eine Fortsetzung von "Der große Schlaf" (The big sleep). 1994 veröffentlichte er die sich über drei Generationen erstreckende Familiensaga "All our yesterdays". Parker hält dies für sein bestes Werk. Aber die Leser ignorierten es. Sie wollten ein weiteres Abenteuer mit Spenser lesen.
Kurz darauf startete Parker zwei neue, erfolgreiche, teilweise ins Deutsche übersetzte Serien. 1997 hatte Jesse Stone, ein Großstadtpolizist, der zur Ausnüchterung eine Stelle in der Provinz annimmt, seinen ersten Auftritt. 1999 schrieb er eine Filmidee für Helen Hunt und Columbia zum Buch "Ehrensache" (Family Honor) um. Damit war die Privatdetektivin Sunny Randall geboren.
Neben seinen regelmäßig die Bestsellerlisten erobernden Romanen, hinterließ Parker auch im Filmgeschäft seine Spuren. Am bekanntesten ist die zwischen 1985 und 1988 ausgestrahlte TV-Serie "Spenser" (Spenser: For Hire) mit Robert Urich als Spenser. Eine Wahl, die bei den Fans auf Kritik stieß. Robert B. Parker meinte, sein Wunsch-Spenser sei Robert Mitchum gewesen – wenn er jünger wäre.
Nach dem Ende der Spenser-Serie entstanden einige TV-Filme mit Robert Urich als Spenser. Später spielte Joe Mantegna dreimal die Rolle. Keinem dieser Filme gelang es, Parkers ironischen Tonfall adäquat auf den kleinen Bildschirm zu transportieren. Oft wirkten sie sogar unfreiwillig komisch.
Auch Jesse Stone schaffte es ins Fernsehen. Tom Selleck spielt den Polizisten und die Filme sollen ziemlich gelungen sein.
Parkers erstes Marlowe-Buch "Einsame Klasse" (Poodle Springs) wurde etwas bemüht von Bob Rafelson für HBO verfilmt. Tom Stoppard schrieb das Drehbuch. James Caan spielte die Hauptrolle.
1995 erhielt Robert B. Parker von Private Eye Writers of America (PWA) den Preis für sein Lebenswerk.
Trotz des Erfolgs hört er nicht auf zu schreiben. Er schreibt täglich seine fünf Seiten. Nach vier Monaten ist ein Buch fertig. Und danach beginnt er sofort mit seinem nächsten Buch, das auch wieder die Bestseller-Listen erobert.

Hawk (...) las Simon Schamas Geschichte Großbritanniens.
"Du interessiert dich für englische Geschichte?", fragte ich, als ich reinkam.
"Nö. Aber der Typ hat ein gutes Buch über Rembrandt geschrieben. Ich les ihn gerne."
"Viele lange Wörter", sagte ich.
"Ich dachte mir, dass du mir helfen könntest."
"Die Bürde der Weißen. Meinen Stuhl, bitte."
(Robert B. Parker: Die blonde Witwe)

Spensers Erben

Der Erfolg von Robert B. Parkers Spenser-Romanen half in den Vereinigten Staaten dem Hardboiled-Roman über eine lange Durststrecke hinweg. Außerdem konnten dank seines Erfolges andere Autoren ihre Romane veröffentlichen. Heute ist jeder Autor von Privatdetektivroman von Robert B. Parker beeinflusst. Gleichzeitig entwickelten sie Parkers Ideen in längeren und komplexeren Geschichten weiter.
Der Hardboiled-Autor George P. Pelecanos sagte im Internet-Forum Rara-Avis: "The countless imitations of the Spenser books--and there are many--have tarnished our perception of the originals. We're tired of Spenser's sons so we're tired of Spenser."
Sein Kollege Max Allan Collins würde, obwohl er Parkers Stil nicht mag, Robert B. Parker in eine Liste der zehn wichtigsten Privatdetekiv-Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts aufnehmen.
Mit dem witzigen Roman "Die blonde Witwe" gibt es in Deutschland nach sechs Jahren endlich wieder das Original. Schade ist nur, dass die Übersetzung nicht immer Robert B. Parkers eleganten Stil angemessen wiedergibt.

"Ich bin nur ein einfacher Schläger", antwortete er. "Ich halt von nix was."
"Das gilt auch für mich."
"Einfacher Schläger?"
"Ja."
(Robert B. Parker: Die blonde Witwe)

Links & Bibliographie:

parker-die-blonde-witwe.jpg Robert B. Parker:
Die blonde Witwe – Ein Auftrag für Spenser
(aus dem Englischen von
Emanuel Bergmann und Tanja Mushenko)

Pendragon
2006, 224 Seiten, 9,90 Euro Euro
Originaltitel: Widow's walk
G. P. Putnam's Sons, 2002

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Die Spenser-Serie
The Godwulf Manuscript, 1973 (Spenser und das gestohlene Manuskript)
God Save the Child, 1974 (Kevins Weg ins andere Leben)
Mortal Stakes, 1975 (Endspiel gegen den Tod)
Promised Land, 1976 (Auf eigene Rechnung, Leichte Beute für Profis)
The Judas Goat, 1978 (Kopfpreis für neun Mörder)
Looking for Rachel Wallace, 1980 (Bodyguard für eine Bombe)
Early Autumn, 1981 (Finale im Herbst)
A Savage Place, 1981 (Licht auf Dunkelmänner)
Ceremony, 1982 (Einen Dollar für die Unschuld)
The Widening Gyre, 1983 (Spenser und der Kandidat)
Valediction, 1984 (Spensers Abschied)
A Catskill Eagle, 1985 (Spenser auf der Flucht)
Taming a Sea Horse, 1986 (Wer zähmt April Kyle?)
Pale Kings and Princes, 1987 (Bleiche Schatten im Schnee)
Crimson Joy, 1988 (Tödliches Rot)
Playmates, 1989 (Spießgesellen)
Stardust, 1990 (Starallüren)
Pastime, 1991 (Keine Schonzeit für Spenser)
Double Deuce, 1992 (Heißes Pflaster)
Paper Doll 1993 (Schmusepuppe)
Walking Shadow 1994 (Die unsichtbaren Killer)
Thin Air, 1995 (Brutale Wahrheit)
Chance, 1996 (Letzte Chance in Las Vegas)
Small Vices, 1997 (Der graue Mann)
Sudden Mischief, 1998 (Schmutzige Affären)
Hush Money, 1999 (Der Preis des Schweigens)
Hugger Mugger, 2000
Potshot, 2001
Widow's Walk, 2002 (Die blonde Witwe)
Back Story, 2003
Bad Business, 2004
Cold Service, 2005
School Days, 2005
Dream Girl, 2006 (angekündigt als: Hundred-Dollar Baby)
Die deutschen Ausgaben erschienen bei Ullstein, Goldmann und rororo.

Ein Reiseführer durch Spensers Heimatstadt:
Spenser's Boston, 1989

Links:
The Spensarium (umfangreiche Seite über Robert B. Parker und seine Charaktere):
www.thespensarium.com

Bulletts and Beer (eine noch umfangreichere Seite über die Spenser-Romane):
bullets-and-beer.com/

Thrilling Detective über Spenser:
www.thrillingdetective.com

Thrilling Detective über Robert B. Parker:
www.thrillingdetective.com

Ein dreiteiliges Interview mit Robert B. Parker:
blogcritics.org

Zwei Interviews bei Bookreporter:
www.bookreporter.com

Kirjasto über Robert B. Parker:
www.kirjasto.sci.fi

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Alfred Miersch
Klingelholl 53
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Tel.:0202/51 10 89

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Erstellt am 22.08.2006


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Axel Bussmer
Axel Bussmer, Studium der Politologie, Philosophie und Soziologie in Konstanz, lebt derzeit in Berlin und arbeitet an verschiedenen Drehbuchprojekten (u. a. ein Gangsterthriller). Neben Noir-Krimis liebt er Jazz, über den er auch Artikel schreibt. Bei den Alligatorpapieren erscheinen regelmäßig seine TV-Krimi-Buch-Tipps.

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