Die Alligatorpapiere



Spurensuche.
Die Kolumne von Axel Bussmer



Mord & Totschlag für den Strandkorb

Vier Warnungen und vier Empfehlungen für die heißen Tage

Den "Da Vinci Code" haben Sie im Kino entschlüsselt? Donna Leon halten Sie inzwischen für langweilig, Henning Mankell hat nach ihrer Meinung sein Verfallsdatum bereits überschritten; trotzdem wollen Sie sich die Zeit des Bräunens mit einigen spannenden Krimis verkürzen, wissen aber noch nicht, welche Bücher sie einpacken sollen.
Dann gibt es hier einige Empfehlungen und – ganz im Gegensatz zum ursprünglichen Plan – einige Warnungen. Denn die neuen Werke von Michael Didbin, Felix Thijssen, Linda Fairstain und Cindy Gerard sind überraschend schlecht. Überhaupt nicht schlecht sind dagegen die Bücher von Jenny Siler, T. Jefferson Parker, Joe R. Lansdale und, für die Klassiker-Freunde, Rex Stout.

Michael Dibdin: Tod auf der Piazza

dibdin-Tod-auf-der-Piazza.jpgDie größte Enttäuschung ist der neueste Aurelio Zen-Roman von Michael Dibdin. Das liegt nicht daran, dass Dibdin mit "Tod auf der Piazza" die Konventionen des Kriminalromans verlässt und etwas Neues probiert, sondern daran, dass er kläglich scheitert.
Dabei hat er einen ausgezeichneten Anfang. In Bologna wird der vermögende Industrielle und gehasste Besitzer des örtlichen Fußballclubs, Lorenzo Curti, umgebracht. Aurelio Zen, der während eines unbefristeten Urlaubs seine Wehwehchen kuriert, wird nach Bologna geschickt. Er soll die Ermittlungen beobachten und Rom warnen, wenn es politische Verwicklungen gibt. Erst als auf den weltbekannten Semiotik-Gelehrten Edgardo Ugo ein Anschlag verübt wird, gewinnen die Ermittlungen an Schwung. Denn bei beiden Taten wurden Schüsse aus der gleichen Pistole abgefeuert.
Dieses Mal wollte Michael Dibdin keinen weiteren spannenden Kriminalroman schreiben, sondern er hatte größeres vor. Und große Vorhaben müssen dem Publikum erklärt werden. In einem Vorwort, einem Nachwort, oder indem die Erklärung für das Werk einem der Charaktere in den Mund gelegt wird. Dibdin legt dem Semiotik-Professor Ugo die Erklärung für "Back to Bologna", so der Originaltitel, in den Mund: "'Back to Bolougne', einen Kriminalroman, in dem der Detektiv den Fall nicht löst. Als Protagonisten hatte ich einen gewissen Inspecteur Nez im Sinn." Und weiter erklärt er: "eine Dekonstruktion des realistischen, vom Plot bestimmten Romans ... ganz viel Atmosphäre und eine gute örtliche Verankerung, aber keine Lösung, nur eine starke Schlusszeile" (Dibdin: Tod auf der Piazza, S. 214).
Das fasst die Idee des Buches – eine Geschichte wollte Dibdin ja nicht erzählen – gut zusammen. Denn anstatt den Krimi-Plot auch nur halbwegs engagiert voranzutreiben, verliert Dibdin sich in in epischer Breite erzählten Belanglosigkeiten aus dem Leben der verschiedenen Charaktere, die alle höchstens als platte Parodien funktionieren, und unzähligen Anspielungen, die immer mit dem berühmten Zaunpfahl kommen. Denn selbstverständlich erinnert der Semiotik-Professor Edgardo Ugo an Umberto Eco; der Name von Zens Kollegem Salvatore Brunetti setzt sich aus dem der Helden von Magdalen Nabb und Donna Leon zusammen, undsoweiter.
All die Anspielungen könnten noch ertragen werden, wenn "Tod auf der Piazza" wenigstens gut geschrieben wäre. Aber auch hier scheint Dibdin von einer zeitweiligen Amnesie betroffen zu sein. Sein neuestes Buch ist ein überraschend langatmiges Werk.
"Tod auf der Piazza" – nebenbei hat der Titel nichts mit der Geschichte zu tun, denn auf einer Piazza stirbt in diesem Werk niemand – hat nichts mit dem mit wundervollem, Gold Dagger-prämierten ersten Auftritt von Aurelio Zen "Entführung auf italienisch" zu tun.

Felix Thijssen: Rebecca

Ebenfalls enttäuschend ist der achte Fall des von Felix Thijssen erfundenen Privatdetektivs Max Winter. Für seinen ersten Max Winter-Roman "Cleopatra" erhielt Thijssen den Gouden Strop als Thijssen-rebecca.jpgbester niederländischer Kriminalroman. Für "Rebecca" hat er keinen Preis verdient. Genau wie bei Michael Dibdin verleidet die Konstruktion der Geschichte, gepaart mit einer über weiten Strecken biederen Beamtenprosa, die Freude an der Lektüre. Denn es vergehen fast 200 von 350 Seiten bis Ich-Erzähler Max Winter mit seinen Ermittlungen beginnt. Davor tritt er nur in zwei kurzen Kapiteln auf und verliert durch einen unglücklichen Unfall seine Freundin. Die restliche Zeit verbringen wir in der niederländischen Provinz mit der sechzehnjährigen, braven und sehr vernünftigen Rebecca und ihrem langatmig erzählten Abschied von der Jugend.
Eines Nachts wird Rebecca überfallen. Dennis rettet sie vor einer Vergewaltigung. Während der nächsten Tage drängt ihr Retter sich immer mehr in ihre Familie. Einige Tage später stirbt ihr Vater. Offiziell war es ein Selbstmord. Aber Rebecca glaubt das nicht. Denn Dennis verhält sich merkwürdig und ihre Schwiegermutter Suzan verbirgt auch etwas. Weil Rebecca alleine die Wahrheit nicht herausfinden kann, geht sie zu Privatdetektiv Max Winter, der auf den verbleibenden 150 Seiten (unterbrochen von weiteren 30 Seiten mit Rebecca) ziemlich mühelos herausfindet, warum Rebeccas Vater sterben musste.
"Rebecca" ist eine missglückte Mischung aus Coming-of-age-Geschichte, Psychothriller und Detektiv-Roman. Denn Rebecca ist geistig bereits eine sehr vernünftige und auch überraschend illusionslose Frau, der Konflikt zwischen ihr und Dennis wird nicht richtig herausgearbeitet und der Privatdetektiv ist die meiste Zeit noch nicht einmal Zaungast der Geschichte. Stattdessen schleppt sich die Geschichte von einem Wendepunkt zum nächsten. Dazwischen wissen die einzelnen Charaktere nicht, was sie wollen und lassen sich von der Geschichte treiben. Es herrscht Stillstand, der durch einen Überfall, einen Tod, oder ein anderes Ereignis mehr oder weniger zufällig unterbrochen wird. Das ist für eine spannende Geschichte einfach zu wenig.

Linda Fairstein: Totenmahl

Sie spricht das Cover von "Totenmahl" an? Sie glauben, die Verpackung enthalte bereits erste fairstein-TotenmahlHinweise auf den Inhalt? Dann können Sie Linda Fairsteins achten Roman getrost liegen lassen. Denn der neueste Fall der New Yorker Staatsanwältin Alex Cooper spielt in New York im Theatermilieu.
Während einer Aufführung in der Metropolitian Opera des Lincoln Centers verschwindet die Tänzerin Natalia Galinova. Für Alex Cooper wird erst ein Fall daraus, als die Tänzerin kurz darauf tot in einem Lüftungsschacht gefunden wird. Noch vor der Obduktion ist sich Cooper sicher, dass sie ermordet wurde. Gemeinsam mit den aus den früheren Cooper-Romanen bekannten Polizisten Mike Chapman und Mercer Walker beginnt sie mit ihren Ermittlungen und hat schnell einen Hauptverdächtigen: den stinkreichen, alten Broadway-Mogul Joe Berk. Als er fast durch einen Stromschlag stirbt, geraten auch Berks Familie und dessen Konkurrenten in ihr Visier.
Vom Genre ist das 400-seitige "Totenmahl" ein Whodunit, der mit einigen Subplots gestreckt wird. Besonders wichtig sind hier zwei Plots aus Coopers Arbeit. In dem einen betäubt ein türkischer Arzt junge Frauen, vergewaltigt sie und filmt sich dabei. Nachdem er gegen Coopers Willen auf Kaution freigelassen wird flüchtet er in seine Heimat. In dem anderen hinterlässt ein Vergewaltiger bei seinen Taten keine Spuren, bis er von einem Hund gebissen wird. Die Polizei kann ihn finden, aber dies gelang ihr nur, indem sie die DNS aus einer Verdächtigen-Datei untersuchte. Der Anwalt des Täters klagt dagegen. Beide Subplots aus Coopers Arbeit vermitteln interessante Einblicke in die tägliche Arbeit einer Staatsanwältin und haben mit dem Tod von Natalia Galinova nichts zu tun. Ebenso dient Coopers Abstecher in ihr Wochenendhaus, garniert mit einem etwas aufdringlichen Liebhaber, nur dazu, einige Seiten zu schinden.
Aber am meisten streckt Linda Fairstein ihren letztendlich dünnen Plot immer dann, wenn ihre Ermittlerin Alexandra Cooper mit einem Theatermenschen redet. Hier breitet Linda Fairstein in epischer Breite die Ergebnisse ihrer Recherchen in der Metropolitian Opera und auf dem Broadway aus. Das entbehrt dann oft nicht einer gewissen Komik. Denn mitten in hektischen Vorbereitungen für eine Probe erzählen die Bühnenarbeiter der Staatsanwältin ausführlichst von ihrer Arbeit. Auch Coopers Gespräche mit Produzenten, Schauspielern und ihren Kollegen laufen meisten nach dem Prinzip ab, dass vor den die Ermittlungen voranbringenden Fragen zuerst mindestens eine Anekdote aus dem Theaterleben erzählt wird. Denn auch wenn sich die Toten zu stapeln beginnen, ist in "Totenmahl" immer noch Zeit für einige nutzlose Informationen.
Der dünne Krimiplot ist dagegen direkt für den Fernsehfilm der Woche geschrieben. Der Drehbuchautor muss einfach nur die zahlreichen langweiligen Stellen streichen, die Täter etwas plastischer zeichnen und ihr Motiv glaubwürdiger machen.

Cindy Gerard: Wer das Feuer sucht

Cindy Gerard hatte mit ihrem ersten Bodyguard-Roman "Wer den Tod begrüßt" einen glänzenden gerard-Wer-das-Feuer-sucht.jpgEinstand, an den ihr zweiter Roman "Wer das Feuer sucht" nicht anschließen kann.
Dabei klingt die Ausgangslage ganz spannend: Millionärstöchterchen Tiffany Claybourne ruft Eve Garrett von E. D. E. N. Securities, Inc. an. Sie will sich mit Eve treffen. Aber anstatt des Mädchens trifft Eve auf einen unbekannten Angreifer, der sie umbringen will. Eve kann entkommen und beginnt Tiffany zu suchen. Das Partygirl von West Palm Beach ist vor einem guten Monat aus der örtlichen Partyszene spurlos verschwunden. Eve glaubt, dass Tiffany in Lebensgefahr schwebt. Bei einem weiteren Anschlag auf ihr Leben wird sie von ihrer ersten Liebe Tyler McClain gerettet. Er arbeitet inzwischen als Detektiv und wurde von Tiffanys Vater beauftragt, seine Tochter zu suchen. Nachdem Eve und Tyler die Suche nach Tiffany zuerst als Konkurrenzkampf betrachten, arbeiten sie später zusammen und verlieben sich wieder ineinander. Sie verfolgen Tiffanys Spur quer durch die Vereinigten Staaten.
"Wer das Feuer sucht" krankt an seiner Geschichte. Denn die aus West Palm Beach verschwundene Tiffany ist nicht untergetaucht, sondern befindet sich mit Lance Reno und dessen Rockband Dead Grief auf einer Reise durch die USA. Dabei benutzt sie immer wieder ihre Kreditkarte und setzt so ihre beiden Jäger immer wieder auf die richtige Spur, die dann doch immer wieder einige Minuten zu spät kommen.
Den überraschungsarmen Hauptplot ergänzt Cindy Gerard, wie schon in "Wer den Tod begrüßt", mit einer Liebesgeschichte. Dieses Mal zwischen Eve Garrett und Tyler McClain, die ziemlich schnell gemeinsam im Bett landen. Davor und danach streckt Cindy Gerard die Geschichte mit den immergleichen Adjektiven und süßlichen Beschreibungen, die in einem romantischen Liebesroman angemessen sind, hier aber nur verraten, dass Gerard ganz schnell ganz viele Seiten füllen musste. Denn nach dem x-ten Hinweis auf Eves wunderschöne Brüste, wahlweise "tolle, tolle Brüste" oder "die unglaublichsten Brüste", glauben wir es und sehnen uns nicht nach weiteren Beschreibungen von Eves körperlichen Vorzügen. Leserinnen dürfen sich währenddessen mit Tylers körperlichen Vorzügen herumplagen. Denn beide sind "hübsch", "süß" und "sexy".
Insgesamt ist "Wer das Feuer sucht" eine ziemlich lustlose und langweilige Hatz von West Palm Beach über Key West, Atlantic City, New York, Las Vegas zum Bryce-Canyon-Nationalpark. Denn die Orte bleiben, im Gegensatz zu dem eindrucksvollen Porträt von West Palm Beach in "Wer den Tod begrüßt", austauschbar, wie die Hotelzimmer in denen sich Tiffany, die Band, Eve und Tyler aufhalten.

Jenny Siler: Ticket nach Tanger

Eine wirklich heiße Sommerlektüre liefert Jenny Siler mit ihrem vierten Roman siler-Ticket-nach-Tanger.jpg"Ticket nach Tanger" ab. Denn die meiste Zeit verbringt ihre an Gedächtnisverlust leidende Heldin Eve in Marokko.
Die Geschichte beginnt allerdings in der Nähe von Lyon im Winter in einem abgelegenen Benediktinerkloster. Die Nonnen fanden eine schwer verletzte Frau am Straßenrand, pflegten sie und nannten sie Eve. Denn Eve kann sich an ihr früheres Leben nicht erinnern. Als einzigen Besitz hat sie eine einfache Schiffsfahrkarte von Marokko nach Spanien, verziert mit fünf verblichenen arabischen Schriftzeichen und der Zahl 21. Außerdem sucht sie in Räumen immer nach möglichen Fluchtwegen und kennt sich gut mit Waffen und Kampftechniken aus. Sie erinnert sich nicht an ihr Kind, aber sie erinnert sich in ihren Alpträumen an einen sterbenden Mann. Sie glaubt, ihn getötet zu haben. Aber sie weiß nicht warum.
Als eines Nachts maskierte Männer auftauchen, sie suchen und alle sich im Kloster befindenden Nonnen umbringen, weiß Eve, dass jemand aus ihrer Vergangenheit sie immer noch töten will. Sie muss herausfinden, wer sie war. Dafür reist sie mit einem gefälschten Pass nach Tanger. Dort kennen etliche Leute sie. Aber Eve weiß nie, wem sie vertrauen kann.
Natürlich ist die erste Assoziation bei Jenny Silers Heldin Eve, dass hier einfach Robert Ludlums Mann ohne Gedächtnis, Jason Bourne (der in Deutschland vor den erfolgreichen Spielfilmen Borowski hieß), kopiert wird. Die zweite ist Geena Davis in Renny Harlins Action-Overkill "Tödliche Weihnachten". Und natürlich, das kann gesagt werden, ohne allzu viel zu verraten, – auch weil es ziemlich offensichtlich ist –, ist Eve tief in die unmoralischen Geschäfte verschiedener Geheimdienste verstrickt.
Allerdings schrieb Jenny Siler "Ticket nach Tanger" nach dem 9/11-Schock und sie versuchte auch etwas über die Rolle der US-Amerikaner in der Welt zu sagen. Das gelang ihr nur teilweise, denn in erster Linie versucht sie eine spannende und unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Das gelingt ihr ausnehmend gut. Denn wir können es kaum erwarten, zu erfahren, wer Eve warum umbringen will und wer von ihren früheren Bekannten nun zu den Guten und wer zu den Bösen gehört.
Jenny Silers "Ticket nach Tanger" ist ein spannender Thriller, bei der die Autorin keine Rücksicht auf die Nerven des Publikums nimmt. Und das ist gut so.

T. Jefferson Parker: Die kalte Gier

parker-Die-kalte-Gier.jpgEin verlässlich guter, bei uns immer noch unterschätzter Autor ist T. Jefferson Parker. Er erhielt bereits zweimal den Edgar. Den ersten für "Silent Joe" (Der stille Mann), den zweiten für "California Girl".
Seine inzwischen dreizehn Romane wurden für zahlreiche weitere wichtige Preise nominiert, fanden sich in vielen Listen der besten Romane eines Jahres und werden von Kollegen schamlos gelobt.
In "Die kalte Gier" soll Frank McMichael den Mord an dem 84-jährigen Wirtschaftsboss Pete Braga aufklären. Seine attraktive Pflegerin Sally Rainwater sagt, sie habe einen Mann weglaufen gesehen. Trotzdem ist sie für McMichael die Hauptverdächtige. Immerhin hat sie in ihrer Wohnung mehrere wertvolle Gemälde, die aus Bragas Haus verschwunden sind, und sie hat eine kriminelle Vergangenheit. Für McMichael ist das allerdings zu einfach. Auch weil er sich in sie verliebt. Er ermittelt weiter und findet schnell heraus, dass Pete Braga sein Geld mit etlichen nicht ganz legalen Geschäften verdiente und bei seinen Freunden und Geschäftspartner nicht so beliebt war, wie es vor seinem Tod den Anschein hatte.
Schnell wird in "Die kalte Gier" aus einem einfachen Mordfall eine komplexe Geschichte über eine sich über mehrere Generationen erstreckende Fehde zwischen den McMichels und den Bragas, Korruption in der Polizei, den Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Kriminalität in einer Großstadt und dem Absterben der Thunfischindustrie in San Diego. T. Jefferson Parker legt mit "Die kalte Gier" einen weiteren Thriller vor, der schnörkellos eine spannende Geschichte erzählt.

Joe R. Lansdale: Wilder Winter

Lansdale-wilder-winter.jpgDie Fans von Hap Collins (weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer) und Leonard Pine (schwarz, schwul, Vietnamveteran) dürfen sich freuen. Nachdem der Rowohlt-Verlag in den Neunzigern zwei Collins-Pine-Bücher veröffentlichte und die kurzlebige Dumont-Noir-Reihe 2000 mit einem weiteren Band nachlegte, geschah erstmal mehrere Jahre nichts. Jetzt startete der als Science-Fiction-Verlag bekannte Shayol-Verlag die "Funny Crimes"-Reihe mit dem ersten, in den USA bereits 1990 erschienenen Collins-Pine-Roman "Wilder Winter".
Hap Collins und Leonard Pine zerdeppern gemütlich auf dem großen Feld hinter Haps Haus Tontauben, als seine frühere Freundin Trudy auftaucht und beide um einen Gefallen bittet. Für den bewaffneten Kampf gegen das System sollen sie ihr und ihren revolutionären Freunden das nötige Startkapital besorgen. Irgendwo im Sabine River bei einer Brücke liegt die Beute aus einem Banküberfall. Eine Million Dollar. Weil die Revolutionäre die Gegend nicht kennen, bitten sie die beiden Tagelöhner Hap Collins und Leonard Pine mit dem Versprechen auf einen Teil der Beute um Hilfe. Nachdem sie die Beute gefunden haben, stellen die Revolutionäre fest, dass es erheblich weniger als die erwartete Million ist und jeder die gesamte Beute für seine Pläne benötigt.
Joe R. Lansdale fragte sich in den späten achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, was aus den Idealen von 1968 wurde. Deshalb lässt er seinen Charakteren besonders im ersten Drittel von "Wilder Winter" viel Zeit in Gesprächen über ihr Leben zu reflektieren. Wir erfahren, wie aus Revolutionären Kriminelle wurden, sich Menschen aus der Politik zurückzogen, was aus Vietnam-Veteranen wurde, warum einige immer noch an die Ideale von 1968 glauben und wie sich die US-amerikanische Gesellschaft zwischen 1968 und 1990 veränderte.
Dieses Thema integriert Joe R. Lansdale mühelos in die spannende Geschichte einer Schatzsuche und eines anschließenden Kampfes ums Überleben im winterlichen Texas.
Joe R. Lansdales "Wilder Winter" ist gleichzeitig ein spannender Krimi, eine glänzende schwarzhumorige Komödie und eine illusionslose Abrechnung mit den Idealen von 1968.
In einem kurzen Interview am Ende von "Wilder Winter" sagt Joe R. Lansdale einige Worte zum Roman und der inzwischen aus sechs Bänden bestehenden Hap Collins-Leonard Pine-Serie. Das fünfte Abenteuer des ungleichen Paares, "Rumble Tumble", will der Shayol-Verlag im kommenden Frühjahr in der von Richard Betzenbichler herausgegebenen "Funny Crimes"-Reihe veröffentlichen.
Im Herbst wird ein weiterer bei uns zu Unrecht in Vergessenheit geratener, hochgelobter Hardboiled-Autor wieder in Deutschland erhältlich sein: James Crumleys Roman "Land der Lügen" mit Privatdetektiv Milo Milodragovitch. Wir können es kaum erwarten.

Rex Stout: Orchideen für sechzehn Mädchen

Immer wieder gut für einige entspannende Stunden sind die Fälle des übergewichtigen, stout-Orchideen-fuer-sechzehn-Maedchen.jpgbiertrinkenden, orchideenzüchtenden Meisterdetektivs Nero Wolfe. Er verlässt nur äußerst ungern seine Wohnung in der 35. Straße West.
In "Orchideen für sechzehn Mädchen" tut er es aus einem sehr einleuchtenden Grund: sein Angestellter Archie Goodwin hat die sechzehn weiblichen Angestellten einer Kanzlei eingeladen, um während einer Orchideenschau und eines exquisiten Abendessens an weitere Informationen in den Mordfällen Leonard Dykes und Joan Wellmann zu gelangen. Angesichts so vieler Frauen räumt Nero Wolfe freiwillig das Feld und lässt sich nachher von Archie alles erzählen.
Aber auch diese verzweifelte Maßnahme bringt sie zuerst nicht näher an die Lösung der beiden Morde. Bürovorsteher Leonard Dykes ertrank nachdem er ohnmächtig geschlagen und ins Wasser geworfen wurde. Über einen Monat später wird die Lektorin Joan Wellmann von einem Auto überfahren. Ihr Vater glaubt an einen Mord und beauftragt Nero Wolfe. Dieser nimmt den Auftrag an, nachdem er in einem ihrer Briefe den Namen Baird Archer liest. Dykes hatte diesen Namen, neben zahlreichen anderen, auf einem Zettel notiert. Nero Wolfe ist überzeugt, dass Dykes und Wellmann ermordet wurden. Kurz darauf schlägt der unbekannte Mörder zum dritten Mal zu. Er wirft die Stenografin und Maschinenschreiberin Rachel Abrams, die ein Manuskript von Baird Archer abgetippt hat, aus ihrem Fenster.
Weil der Mörder anscheinend alle Menschen umbringt, die das Manuskript von Baird Archer kennen, schickt Nero Wolfe seinen willigen Helfer Archie Goodwin los. Er soll das verschwundene Manuskript zu finden.
"Orchideen für sechzehn Mädchen" ist sicherlich nicht der beste der fast fünfzig Nero Wolfe-Romane, die alle nach dem gleichen Whodunit-Prinzip aufgebaut sind: das Genie Nero Wolfe erhält den Fall, sein Assistent Archie Goodwin erledigt die Laufarbeit, lässt sich verprügeln, von der Polizei verhaften und bekommt die Frauen, am Ende werden alle am Fall beteiligten Personen in Wolfes Büro eingeladen und der Mörder präsentiert. Das ganze ist immer wieder unterhaltsam weltfremd.


Links & Bibliographie:

dibdin-Tod-auf-der-Piazza.jpg Michael Dibdin:
Tod auf der Piazza
Originaltitel: Back to Bologna
Faber and Faber Limited, 2005
(übersetzt aus dem Englischen von Ellen Schlootz)

Goldmann Verlag
2006, 256 Seiten, 7.95 Euro
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Krimi-Couch über Michael Dibdin:
www.krimi-couch.de
The British Council über Michael Dibdin:
www. contemporarywriters. com
January Magazine spricht mit Michael Dibdin:
www.janmag.com
Michael Dibdin bei Italian Mysteries:
italian-mysteries.com

Thijssen-rebecca.jpg Felix Thijssen:
Rebecca
Originaltitel: Rebecca
Uitgeverij Luitingh-Sijthoff B. V., 2004
(übersetzt aus dem Niederländischen von Stefanie Schäfer)

Grafit Verlag
2006, 352 Seiten, 9.95 Euro
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Felix Thijssen bei Krimi-Couch:
www.krimi-couch.de
Niederländische Homepage über Felix Thijssen:
www.geocities.com
Crime.nl über Felix Thijssen:
www.crime.nl

fairstein-Totenmahl Linda Fairstein:
Totenmahl
Originaltitel: Death Dance
Scribner, Simon & Schuster, Inc., 2006
(übersetzt aus dem Englischen von Manuela Thurner)

Blanvalet Verlag
2006, 416 Seiten, 8.95 Euro
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Homepage der Autorin:
lindafairstein.com/
Weitere Informationen (Interview, Buchbesprechungen) bei Bookreporter:
www.bookreporter.com

gerard-Wer-das-Feuer-sucht.jpg Cindy Gerard:
Wer das Feuer sucht
Originaltitel: To the Limit
St. Martin's Press, 2005
(übersetzt aus dem Englischen von Ingrid Klein)

Blanvalet Verlag
2006, 448 Seiten, 6.95 Euro
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Homepage der Autorin:
www.cindygerard.com
Interviews mit Cindy Gerard:
www.theromancereadersconnection.com
fallenangelreviews.com
Bibliografie von Cindy Gerard:
www.steffis-buecherkiste.de

siler-Ticket-nach-Tanger Jenny Siler:
Ticket nach Tanger
Originaltitel: Flashback
Henry Holt, New York, 2004
(übersetzt aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg)

Fischer Taschenbuch Verlag,
2006, 320 Seiten, 7.95 Euro
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Homepage der Autorin:
www.jennysiler.com
Bookreporter interviewt Jenny Siler:
www.bookreporter.com

parker-Die-kalte-Gier T. Jefferson Parker:
Die kalte Gier
Originaltitel: Cold Pursuit
Hyperion, 2003
(übersetzt aus dem Englischen von Norbert Möllemann)

Ullstein Taschenbuch Verlag,
2006, 432 Seiten, 8.95 Euro
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Homepage des Autors:
www.tjeffersonparker.com/
Writers Write-Interview zu "Cold Pursuit":
www.bookreporter.com
Hardluck Stories interviewt T. Jefferson Parker:
www.hardluckstories.com
T. Jefferson Parker bei Krimi-Couch:
www.krimi-couch.de

Lansdale-wilder-winter.jpg Joe R. Lansdale:
Wilder Winter
Originaltitel: Savage Season
Bantam, 1990
(übersetzt aus dem Englischen von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla)

Shayol Verlag,
2006, 200 Seiten, 12.90 Euro
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Homepage des Autors:
joerlansdale.com
Joe R. Lansdale-Fanseite:
www.geocities.com/
Nick Gevers redet mit Joe R. Lansdale:
www.infinityplus.co.uk
Judi Rohrig redet mit Joe R. Lansdale:
www.subterraneanpress.com
Homepage des Shayol-Verlages:
http://www.epilog.de/shayol/

stout-Orchideen-fuer-sechzehn-Maedchen Rex Stout:
Orchideen für sechzehn Mädchen
Originaltitel: Murder by the book
Viking Press, 1951
(übersetzt aus dem Englischen von Werner Gronwald)

Goldmann Verlag,
2006, 256 Seiten, 6.95 Euro
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The Wolfe Pack, die Webseite des seit 1969 bestehenden Fan-Clubs:
www.nerowolfe.org/
Thrilling Detective über Nero Wolfe:
www.thrillingdetective.com
Robert Crais über Nero Wolfe:
robertcrais.com
Krimi-Couch über Rex Stout:
www.krimi-couch.de
Die Psychologie von Nero Wolfe und Archie Goodwin (Umfassend, auf Englisch):
www.abelard.org
Die Fälle von Nero Wolfe in chronologischer Reihenfolge (wobei Nero und Archie irgendwie nicht altern):
www.things.org
Nero Wolfe/Rex Stout-Fanpage:
www.geocities.com
Rex Stout-Bio:
www.kirjasto.sci.fi

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Alfred Miersch
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Erstellt am 15.07.2006




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Axel Bussmer
Axel Bussmer, Studium der Politologie, Philosophie und Soziologie in Konstanz, lebt derzeit in Berlin und arbeitet an verschiedenen Drehbuchprojekten (u. a. ein Gangsterthriller). Neben Noir-Krimis liebt er Jazz, über den er auch Artikel schreibt. Bei den Alligatorpapieren erscheinen regelmäßig seine TV-Krimi-Buch-Tipps.

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