"Es tut mir Leid, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man das tun kann, was Sie getan haben."
"Denk doch mal darüber nach, Evan. Sie hatten kein Recht zu leben, siehst du das denn nicht ein? Schimpften sich Jazzmusiker und das, was sie da spielten, Jazz. Sie besudeln das Andenken von Bird und Dizzy und Miles mit dem Scheiß, den sie produzieren, diesem elektronischen, schlapp – schwänzigen, wertlosen Scheißdreck, und das nennen sie Jazz!"
An dieser Stelle gerät sie außer Atem, zieht wieder an ihrer Zigarette und atmet aus. Ich kneife die Augen zusammen. Ist das weniger verrückt als der Typ, der auf Ringo Starr geschossen hat? Ich warte eine weitere Sekunde ab, um Zeit zu schinden, denke nach. "Darum geht es also?"
(Bill Moody: Bird lives!, S. 113)
bei einem Unfall schwer verletzte Hand wieder richtig bewegen und damit wieder seinem Beruf und seiner Passion, dem Jazz, nachgehen. Nach einem ersten, erfolgreichen Auftritt mit seinem Jazztrio hat er sogar einen Plattenvertrag bei einem kleinen Label in Aussicht. Kurz, es könnte nicht besser für Evan aussehen, wenn ihn da nicht sein Freund Dan ‚Coop' Cooper, Lieutenant bei der Mordkommission von Santa Monica, bei einem Mord um Hilfe bitten würde. Er vermutet, dass einige Indizien bei seinem neuesten Mordfall auf die Jazzgeschichte verweisen. Nach einem Blick auf den Tatort bestätigt Evan Coops Verdacht: An Charlie ‚Bird' Parkers Todestag wird der enorm erfolgreich, aber musikalisch vollkommen uninteressante Smooth-Jazzer Ty Rodman nach einem Auftritt in seiner Garderobe ermordet. In seinem Discman läuft die Parker-Komposition "Now's the time" und auf den Spiegel wurde mit Blut "Bird lives!" geschrieben.
Jazzkrimi "Bird lives!" setzt der 1941 geborene Schlagzeuger Bill Moody seine Evan Horne-Reihe fort. In "Solo Hand" begegneten wir Evan Horne zum ersten Mal. Damals arbeitete er als Journalist für Jazzzeitschriften. Denn nach einem schweren Autounfall konnte er seine rechte Hand nicht mehr richtig bewegen und musste seine Karriere als Jazzpianist aufgeben. Neben dem Training seiner verletzten Hand hat Evan genug Zeit einem Freund, dem King of Soul Lonnie Cole, zu helfen. Jemand erpresst Cole mit intimen Fotos.
In "Moulin Rouge, Las Vegas" bittet der Universitätsprofessor Ace Buffington, - ein Jazzfan, der Evan in dem Spielerparadies ein Engagement in einer Shopping-Mall verschafft -, ihm bei einem Aufsatz zu helfen. Buffington will einen Artikel über das 1955 eröffnete Casino Moulin Rouge und den Tod des Tenorsaxophonisten Wardell Gray in der Nacht nach der Eröffnung des Casinos schreiben. Evan soll ihm beim Lösen des Mordfalls Wardell Gray helfen. Der Pianist beginnt zu ermitteln und stellt schnell fest, dass auch ein vierzig Jahre zurückliegender Mord keine Garantie für eine ruhige Ermittlung ist.
den gängigen Krimikonventionen. Nachdem Evan in "Bird lives!" eine Serienmörderin überführte, flüchtet er nach Europa. Er will Abstand von seiner Vergangenheit als Detektiv gewinnen und sich wieder vollständig auf seine Karriere als Musiker konzentrieren. Aber sein Ruf - immerhin löste er mehrere Verbrechen im Jazzmilieu - und sein Freund Ace Buffington machen ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Ace plant ein Buch über den im Mai 1988 in Amsterdam tödlich verunglückten, drogensüchtigen Trompeter Chet Baker. Evan lehnt ab. Aber nachdem Ace spurlos verschwindet und Drogengangster sich für Evan interessieren, beschließt er, Ace zu finden und den Tod von Chet Baker aufzuklären.
wichtige Nebenrolle bei dem Kriminalfall: manchmal indem Musiker wichtige Rollen spielten (z. B. Ed McBains "The Gutter and the Grave"), oft indem der Held in ein für ihn fremdes Milieu eintaucht (z. B. Linda Barnes "Steel Guitar", Elmore Leonards "Be Cool"), manchmal indem die Musik einen Teil des Lokalkolorits bildet (was besonders auf während der vierziger und fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielende Krimis zutrifft), manchmal indem die Hauptpersonen Jazzfans sind und über ihre Lieblingsmusiker reden (beispielsweise in den beiden Büchern "Blues for Charles Darwin" und "The Man from Internal Affairs" des
renommierten Jazzkritikers Nat Hentoff), und manchmal indem jazztypische Prinzipien auf das Erzählen der Geschichte angewandt wurden (wieder Nat Hentoff).
Links:
Homepage des Autors: http://www.billmoodyjazz.com/
Seite des Unionsverlages über Bill Moody:
http://www.unionsverlag.com/info/person.asp?pers_id=1312
Bibliografie:
Bill Moody: Bird Lives!
Übersetzt von Anke Caroline Burger
Unionsverlag, 2006
272 Seiten, 19.90 Euro

Die Evan Horne-Bücher:
Solo Hand, 1994 (Solo Hand)
Death of a Tenor Man, 1995 (Moulin Rouge, Las Vegas)
The Sound of the Trumpet, 1997
Bird Lives, 1999 (Bird lives!)
Looking for Chet Baker, 2002 (Auf der Suche nach Chet Baker)
Alle deutschen Ausgaben sind im Unionsverlag erschienen und wurden von Anke Caroline Burger übersetzt.
Lieferbare Kurzgeschichten:
Child's Play, in Robert J. Randisi (Herausgeber): Murder and all that Jazz, Signet Mystery, 2004
Camaro Blue, in Jervey Tervalon/Gary Phillips (Herausgeber): The Cocaine Chronicles, Akashic Books, 2005