Spurensuche. No. 48
Die Kolumne von Axel Bußmer
BLOG Simon & Simon
Die Brüder A. J. und Rick Simon sind wieder da
Die DVD-Ausgabe "Simon & Simon - Staffel 1"

Mitte der achtziger Jahre lief für Fans von Privatdetektivserien im deutschen Fernsehen "Magnum", "Remington Steel", "Hart aber herzlich" (obwohl das Millionärsehepaar eher zum Vergnügen Verbrechen aufklärte), "Ein Colt für alle Fälle" (obwohl der Stuntman hauptsächlich Kautionsflüchtlinge jagte) und "Simon & Simon".
Im Zentrum dieser langlebigen, von Philip DeGuere erfundenen Serie - zwischen 1981 und 1989 entstanden 156 Folgen - stehen die beiden gegensätzlichen Brüder A. J. und Rick Simon. Sie sind die Inhaber einer mäßig erfolgreichen Detektei in San Diego.
A. J. (Andrew Jackson) Simon (gespielt von Jameson Parker) ist der seriösere Bruder. Er trägt meistens einen Anzug, spielt Tennis, schreibt die Berichte, sorgt sich um die Honorare und lebt noch bei seiner Mutter in einem unanständig großen Haus, das einen fragen lässt, ob er die Detektei nicht als spätpubertäres Hobby betreibt.
Sein Bruder Rick Simon (gespielt von Gerald McRaney) ist, wie schon seine Stiefel, Jeans und der unverzichtbare Cowboyhut zeigen, das Gegenteil von A. J.. Er lebt auf einem im Hafen liegendem Boot (ähnlich wie Florida-PI Travis McGee), nennt seinen Hund Marlowe und sieht das Leben als einziges Abenteuer. Selbstverständlich denkt er nie ans Geld und für das Schreiben der Berichte hat er seinen Bruder. Außerdem ist er vernarrt in elektronische Überwachungsgeräte.
Aber so gegensätzlich sind die beiden natürlich nicht. Sie sind Brüder, die sich sehr mögen, in ihrer Jugend viel Zeit miteinander verbrachten und sich bei der Arbeit, trotz kleinerer Wortgefechte, kongenial ergänzen.
Ihre verwitwete Mutter Cecilia Simon (Marcy Carver) tritt in der ersten Staffel nur in einigen Folgen auf. Die meisten ihrer Auftritte, in denen sie eine herzliche Mischung aus Hausdrache und überfürsorglicher Mutter spielt, sind in erster Linie Comedy. Später wurde sie, jedenfalls soweit das aus der Erinnerung an die deutschen Erstausstrahlungen nachvollzogen werden kann, wichtiger.
Denn die ARD strahlte in seinen Regionalprogrammen (Ja, so etwas gab es damals noch.) zwischen 1986 und 1990 bis auf eine Folge die nur aus dreizehn Episoden bestehenden ersten Staffel, unter strikter Missachtung jeglicher Chronologie, aus. Da lag Ricks Boot mal im Hafen, mal lag es, weil eine Folge aus einer späteren Staffel gezeigt wurde, im Trockenen neben dem elterlichen Anwesen (das wahrscheinlich auch seinen Standort wechselte).
In der ersten Staffel residiert gegenüber der Detektei "Simon & Simon" (die mit dem unschlagbaren Spruch "reasonable rates", was eine höfliche Umschreibung für "billig, weil ständig pleite" ist) im ersten Stockwerk die große Detektei "Peerless Detectives" ihres ärgsten Konkurrenten Myron Fowler (von Eddie Barth als zigarrenkauender Choleriker gespielt). Seine Tochter Janet (Jeannie Wilson) ist in A. J. verliebt und hilft daher den Simon-Brüder immer wieder unentgeltlich bei deren Ermittlungen.
Diese Ermittlungen bieten einen ziemlich umfassenden Einblick in das alltägliche Privatdetektivgeschäft, bei dem er vor allem um Wirtschaftsverbrechen, Raub, Diebstahl und Beziehungsgeschichten und nicht um Mord geht.
Sie sollen herausfinden, ob ein Mann seine Frau betrügt, verschwundene Personen und Dokumente finden und Konzertkarten für das Konzert eines heißbegehrten Rockmusikers besorgen. Das ist in "Hoppla, die Karten kommen" allerdings nur der harmlose Auftakt für eine Begegnung mit einem skrupellosen Konzertveranstalter, der hinter dem Rücken des Sängers Karten verkauft. Gespielt wird der Rocksänger von John Travoltas älterem Bruder Joey Travolta, der auch einige Lieder singt.
In "Die Steuerkeule" müssen sie sich mit einem Finanzbeamten auseinandersetzen, der seine Macht nicht im Sinne des ihn bezahlenden Staates ausübt. In "Schatz, ich hab's nicht so gemeint" sollen sie für eine reiche Klientin ihren vor der Trauung verschwundenen Bräutigam finden. Die Simon-Brüder ahnen allerdings nichts von ihrem unbeherrschten Temperament.
Die Edgar-nominierte Episode "Asche zu Asche" erzählt die Geschichte eines Versicherungsbetruges. Die verwickelte Geschichte kann es locker mit einem Film aus der Schwarzen Serie aufnehmen.
Geradezu prophetisch war 1981 "Bankraub ist ein Kinderspiel". In dieser Geschichte gelingt es einem 14-jährigen einen Bankcomputer zu knacken und so sein Taschengeld aufzubessern. Der Leiter der Filiale beauftragt die Detektei "Simon & Simon", den Cracker (Gab es Wort damals schon?) zu finden.
Obwohl "Simon & Simon" eine Unterhaltungsserie ist, werden auch ernste Themen angesprochen. In "Unser Leo ist nicht so" ist es der Handel mit gefährdeten Tierarten. In "Tanks for the memories" geht es um die seelischen Folgen von Kriegseinsätzen. Damals war es der Vietnamkrieg.
Das ist auch einer der heute bemerkenswerten Punkte bei den ersten dreizehn Folgen von "Simon & Simon". Die immer mit einem ironischen Unterton erzählten Geschichten sind meistens gut in verschiedenen sozialen Milieus verankert und diese werden in wenigen Szenen glaubwürdig porträtiert. Außerdem wird das Flair der Küstenstadt San Diego schön eingefangen und gerade in den ersten Folgen wird öfters in das benachbarte Mexiko gefahren.
Als Bonusmaterial gibt es neben einem informativem Booklet das halbstündiges Featurette "Der große 80er Rückblick". In ihm werden hintereinander, versüßt mit einigen Statements von Schauspielern und Kritikern, etliche Krimiserien aus den Achtzigern vorgestellt. Das ist ein netter Rückblick, der allerdings wenig über "Simon & Simon" verrät und ihn in diesen Kommentaren ziemlich lieblos zu einer eher durchschnittlichen Serie herabstuft. Denn insgesamt ist "Simon & Simon" ziemlich gut gealtert und ich freue mich schon auf die nächsten Folgen.
Links & Bibliographie:
Hinweise
Wikipedia über "Simon & Simon":
deutsch: de.wikipedia.org
englisch: en.wikipedia.org
Fernsehserien über "Simon & Simon":
www.fernsehserien.de
Thrilling Detective über "Simon & Simon":
www.thrillingdetective.com
Main Titel/Intro - Staffel 1:
www.youtube.com
Simon & Simon - Staffel 1
Koch Media, 2009
Laufzeit: 605 Minuten
Bildformat: 1,33:1 (4:3)
Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: - (außer bei der in Deutschland nie gezeigten Folge "Tanks for the memories")
Bonusmaterial: 24-seitiges Booklet, Feature "Der große 80er Rückblick" (ca. 30 Minuten), Alternative Vor- und Abspänne, Werbebumper (deutsch, englisch)
mit Jameson Parker (A. J. Simon), Gerald McRayne (Rick Simon), Marcy Carver (Cecilia Simon), Jeannie Wilson (Janet Fowler), Eddie Barth (Myron Fowler)
Die Fälle:
Kein Fön im Badezimmer
(Details at eleven, USA 1981)
Regie: Corey Allen
Drehbuch: Philip DeGuere
mit Peter Graves, Markie Post
Zwei Brüder und 'ne kühle Blonde
(Love, Christy, USA 1981)
Regie: Bruce Bilson
Drehbuch: James Crocker
Bankraub ist ein Kinderspiel
(Trapdoors, USA 1981)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: Philip DeGuere
mit James Whitmore Jr.
Zwei Schnüffler auf Kaffeefahrt
(A recipe for disaster, UUSA 1981)
Regie: Michael Vejar
Drehbuch: Richard Chapman
Unser Leo ist nicht so
(The least dangerous game, USA 1981)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: Richard Chapman
Es ist nicht alles Ruß im Schornstein
(The dead letter file, USA 1982)
Regie: Michael Vejar
Drehbuch: Bob Shayne
Hoppla, die Karten kommen
(The hottest ticket in town, USA 1982)
Regie: Ray Austin
Drehbuch: Bob Shayne
mit Joey Travolta
Asche zu Asche
(Ashes to ashes and none too soon, USA 1982)
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: Bob Shayne
Die Steuerkeule
(The uncivil servant, USA 1982)
Regie: Ray Austin
Drehbuch: Karen Harris
mit Jerry Stiller, John Schuck
Schatz, ich hab's nicht so gemeint
(Earth to Stacey, USA 1982)
Regie: Paul Krasny
Drehbuch: James Crocker
mit Lisa Eilbacher
Üb' immer Treu und Redlichkeit
(Double entry, USA 1982)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: Robert Bielak
Treulich verführt
(Machtmaker, USA 1982)
Regie: Vincent McEveety
Drehbuch: Ruel Fischmann, Richard Pierce
mit Erin Gray
Tanks for the memories, USA 1982
(in Deutschland nie ausgestrahlt)
Regie: Paul Krasny
Drehbuch: Richard Chapman