Gerade mal im zweiten Jahrgang und doch schon sehnsüchtig erwartet: das "Krimijahrbuch 2007" (NordPark, Wuppertal 2007, 339 Seiten, 20 Euro). Die aktuelle Ausgabe stellt nicht nur mit Rezensionen und Interviews (D.B. Blettenberg, Oliver Bottini, Helene Tursten) die Krimihighlights des vergangenen Jahres vor. Zahlreiche Beiträge wie etwa Axel Bußmers "Jede Woche das gleiche, nur anders - Über deutsche und US-amerikanische Krimiserien" schlagen auch einen Bogen zum Krimi in Film und Fernsehen.
Dass Rainer Gross' in der Schwäbischen Alb spielender Erstlingsroman "Grafeneck" (Pendragon, Bielefeld 2007, 191 Seiten, 9,90 Euro) im Krimijahrbuch 2008 gebührende Berücksichtigung finden wird, daran besteht für uns kein Zweifel. Hauptfigur des 1962 in Reutlingen geborenen Autors ist der Grundschullehrer Mauser, der seine Freizeit mit geologischen Exkursionen und der Erforschung von Höhlen in den heimatlichen Wäldern verbringt. Bei einem seiner Streifzüge entdeckt der Hobbyarchäologe die mumifizierten Überreste eines Mannes, der offenbar vor Jahrzehnten mit einem Kopfschuss getötet wurde. Der Leichenfund sorgt für Aufregung im Dorf, wo vor allem die Älteren mehr zu wissen scheinen, als sie zugeben wollen. Obwohl die Polizei Ermittlungen aufnimmt, findet Mauser keine Ruhe und macht die Aufklärung des Verbrechens zu seiner Sache. Und muss sich unversehens ganz persönlich den großen Fragen nach Schuld und Sühne stellen ... 
Das Gleiche gilt auch für Uta-Maria Heim, deren letzten Roman "Dreckskind" (Gmeiner, Meßkirch 2007, 373 Seiten, 9,90 Euro) wir Ihnen im vergangenen Jahr als "sperrigen Provinznoir, für den man sich Zeit nehmen sollte", ans Herz legten. Der neue Krimi ("Totschweigen", Gmeiner, Meßkirch 2007, 228 Seiten, 9,90 Euro) der 1963 in Schramberg geborenen Autorin stellt erneut Menschen mit dörflicher Herkunft vor, die ihre Prägung auch in städtischer Umgebung nicht verlieren. Und deren Leben ebenso durch Geschehnisse bestimmt wird, die Jahrzehnte zurückreichen. Und zwar nicht nur bis ins Jahr 1984, als die 15-jährige Petra erschlagen, zerstückelt und in einem Stuttgarter Park weggeworfen wurde. Denn die ermittelnden LKA-Ermittler müssen feststellen, dass nach der Identifizierung der Toten 22 Jahre später die Angehörigen des ermordeten Mädchens die Vergangenheit am liebsten "totschweigen" würden. Der düstere, im Schwarzwald spielende Roman der heute in Berlin lebenden Kulturjournalistin liest sich leichter als "Dreckskind", verweigert sich jedoch seichter Oberflächlichkeit und simplen Happy-End-Erwartungen. 
Wer nun angesichts der schonungslosen Analysen deutscher Wirklichkeit in den vorgenannten Romanen zur Schwermut neigen sollte, dem sei mit den Romanen Nury Vittachis schnell noch ein sicheres Antidot verraten. Der in Hongkong lebende Autor schickt nämlich mit seinem eher konservativen "Fengshui-Detektiv" C.F. Wong und dem schnoddrigen Teenager Jo als Assistentin ein ziemlich schräges Pärchen in ebenso skurrile Abenteuer. 
Bacher/Menke/Noller/Rudolph:
Krimijahrbuch 2007.
Wuppertal, NordPark Verlag 2007.
340 Seiten, 20.00 Euro
Rainer Gross:
Grafeneck
Bielefeld, Pendragon Verlag 2007,
191 Seiten, 9.90 Euro
Uta-Maria Heim:
Totschweigen
Meßkirch, Gmeiner Verlag 2007,
373 Seiten, 19.90 Euro
Nury Vittachi:
Shanghai Dinner.
Zürich, Unionsverlag
2007,
316 Seiten, 19.90 Euro
Ulrich Kroegers Krimitipp
Eine Kolumne
Ein Service der Alligatorpapiere
im
NordPark
Verlag
Alfred Miersch
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