Bestenlisten · Regionalkrimi

Regionalkrimis: die besten Reihen von der Eifel bis Niederbayern

Von Marlene Voss

Der Regionalkrimi ist das deutsche Genre schlechthin: Das Verbrechen kommt ins Dorf, und mit ihm die Komik, die Milieukenntnis und der Lokalstolz. Was als Nische begann, füllt heute ganze Buchhandlungsregale — und liefert dem Fernsehen seine erfolgreichsten Krimi-Reihen. Dieser Wegweiser führt zu den Reihen, die das Genre geprägt haben.

Die prägenden Regionalkrimi-Reihen

Warum der Regionalkrimi funktioniert

Die Formel klingt simpel und ist es nicht: Ein überschaubarer Schauplatz macht jede Figur kenntlich, der Dialekt liefert den Ton, und das Verbrechen wirkt gerade deshalb, weil es die vertraute Ordnung stört. Dazu kommt die Serienbindung — wer einmal in Niederkaltenkirchen oder der Eifel heimisch ist, liest weiter. Dieselbe Mechanik trägt die TV-Krimi-Reihen von Usedom bis Friesland.

Verlage und Reihenpflege: warum der Nachschub nie ausgeht

Hinter dem Dauererfolg steht ein Verlagsmodell: Reihen wie die Eberhofer-Romane (dtv) oder die Ostfriesenkrimis (Fischer) erscheinen im Jahrestakt, mit festem Erscheinungsfenster und wiedererkennbarer Ausstattung — die Leserschaft plant den nächsten Band ein wie ein Wiedersehen. Kleinere Verlage besetzen die Lücken dazwischen: Kaum eine deutsche Region ist inzwischen ohne eigene Krimireihe, vom Schwarzwald bis zur Uckermark. Für den Überblick über die tatsächlich lesenswerten Neuzugänge lohnt der Blick auf die aktuellen Neuerscheinungen und die Preisträgerlisten, in denen Regionales regelmäßig auftaucht.

Regionalkrimi und Fernsehen: die Verfilmungen

Kaum eine erfolgreiche Regionalreihe bleibt unverfilmt: Die Eberhofer-Romane wurden zur erfolgreichsten deutschen Kino-Krimireihe, die Kluftinger-Romane zu ARD-Filmen mit Herbert Knaup, die Taunus-Romane von Nele Neuhaus zur ZDF-Reihe. Die Folgenlisten und Besetzungen der laufenden Reihen führt die TV-Krimi-Übersicht.

Die Kritik am Genre — und was an ihr dran ist

Kaum ein Genre wird im Feuilleton so regelmäßig belächelt wie der Regionalkrimi: zu gemütlich, zu formelhaft, zu sehr Tourismuswerbung mit Leiche. Die Kritik trifft einen Teil der Produktion durchaus — wo der Schauplatz nur Etikett ist und das Personal aus dem Baukasten kommt, bleibt vom Krimi wenig übrig. Aber sie übersieht die andere Hälfte: Autorinnen wie Nele Neuhaus oder ein Altmeister wie Jacques Berndorf haben gezeigt, dass die Provinz der schärfste Röntgenblick auf die Gesellschaft sein kann — gerade weil dort jeder jeden kennt und nichts verjährt. Der Regionalkrimi ist keine Qualitätsstufe, sondern ein Spielfeld; was darauf gespielt wird, entscheidet das Buch. Wer die Spreu vom Weizen trennen will, hält sich an die Preislisten — Regionales taucht dort öfter auf, als der Ruf des Genres vermuten lässt.

Wie man den passenden Regionalkrimi findet

Die naheliegende Strategie ist die geografische: Man liest, wo man lebt oder wo man Urlaub macht — der Wiedererkennungseffekt trägt die ersten Bände jeder Reihe. Wer darüber hinaus will, sortiert besser nach Tonlage als nach Landkarte: Die bayerischen Reihen um Eberhofer und Kluftinger stehen für den komischen Zweig, die Küstenkrimis zwischen Ostfriesland und Rügen für den atmosphärischen, und Reihen wie die Allgäu-Romane von Nicola Förg zeigen, dass Regionalkrimis auch harte gesellschaftliche Themen tragen können. Ein dritter Weg führt über das Fernsehen: Wer eine der verfilmten Reihen mag, greift zur Romanvorlage — sie ist fast immer dichter als die Verfilmung. Und wer Wert auf literarische Qualität legt, prüft im Preisregister, welche Regionalreihen tatsächlich Jurypreise geholt haben. Alle drei Wege führen zu tragfähigen Ergebnissen — der Unterschied liegt nur darin, ob man nach Heimatgefühl, nach Tonlage oder nach Qualitätsurteil auswählt.

Häufige Fragen zu Regionalkrimis

Was war der erste deutsche Regionalkrimi?

Als Begründer des modernen Regionalkrimis gilt Jacques Berndorf mit Eifel-Blues (1989) — davor gab es lokal verankerte Krimis, aber erst Berndorfs Eifel-Reihe machte die Region selbst zur Marke.

Welcher Regionalkrimi eignet sich für den Einstieg?

Für den komischen Zugang: Winterkartoffelknödel (Rita Falk) oder Milchgeld (Klüpfel/Kobr). Für den ernsten: Eine unbeliebte Frau (Nele Neuhaus). Am besten immer mit dem ersten Band der Reihe beginnen — die Figurenentwicklung ist der halbe Reiz.

Ist der Regionalkrimi ein eigenes Genre?

Streng genommen ist er eine Schauplatz-Kategorie, kein Erzählmuster: Unter dem Etikett finden sich Komödien, Polizeiromane und Psychothriller — vom bayerischen Schwank bis zum düsteren Küstenkrimi. Die Erzählmuster selbst, von Whodunit bis Noir, erklärt das Genre-Register mit den jeweiligen Schlüsseltiteln.

Gibt es Regionalkrimis auch außerhalb Deutschlands?

Das Muster ist international: Martin Walkers Bruno-Romane machen das Périgord zur Hauptfigur, Andrea Camilleris Montalbano Sizilien, Donna Leons Brunetti Venedig. Der deutsche Regionalkrimi bleibt aber die dichteste Ausprägung — kaum ein Landstrich ohne eigene Reihe.