seine wahre Identität erst im französischen Exil preisgegeben hat: Yasmina Khadra heißt in Wirklichkeit Mohammed Moulessehoul, war bis Ende der neunziger Jahre ranghoher Offizier der algerischen Armee und als solcher unmittelbarer Zeuge des jahrelangen Bürgerkrieges, der das nordafrikanische Land mit unvorstellbarer Grausamkeit überzogen hat. Seine Erfahrungen mit islamistischen Terroristen, korrupten Militärs und skrupellosen Kriegsgewinnlern verarbeitete der heute 51-Jährige in den Romanen "Morituri" (1997), "Double blanc" (1997, deutsch "Doppelweiß") und "L'automne des chimères" (1998, deutsch "Herbst der Chimären"), die jetzt in einer Sonderausgabe im Unionsverlag ("Die Algier-Romane", Zürich 2006, 448 Seiten, 12 Euro) erschienen sind. Hauptfigur der Trilogie ist der Polizist Brahim Llob, ein unbeugsamer, mutiger Wahrheitssucher, der den Konflikt mit den Mächtigen nicht scheut und dafür auch selbst nicht ungeschoren davonkommt ... 
Weniger anspruchsvoll, doch dafür (weltum-) spannend ist Jon Evans' "Tödlicher Pfad" (dtv, München 2006, 374 Seiten, 8,90 Euro). Das 2004 unter dem Titel "Trail of the Dead" in London erschienene Thrillerdebüt des 1973 in Kanada geborenen IT-Spezialisten jagt den Leser durch alle fünf Kontinente ebenso wie durch die virtuellen Weiten des World Wide Web. Der Roman spielt im so genannten Backpackermilieu, also unter Rucksacktouristen, die das immerwährende Fernweh von einem Ort zum anderen treibt. Ein Mord im nepalesischen Gebirge erinnert Evans' Hauptfigur Paul an eine andere Bluttat, die zwei Jahre zuvor in Kamerun verübt wurde: Beiden Opfern wurden Schweizer Armeemesser in die Augen gestoßen. Paul, von Beruf Computerprogrammierer, berichtet in den Internetforen der Backpackercommunity von dem Fall und erhält prompt Antwort: Ein User, der sich "Stier" nennt, behauptet, der Killer zu sein ... Sicher: Das Serienkillermotiv ist so abgenutzt, dass man sich eigentlich über den Plot ärgern müsste. Doch dafür legt Evans ein viel zu hohes Tempo vor, ein Schauplatz reiht sich an den nächsten, und die Internetrecherchen sind auch nicht ohne Reiz. Fazit: Ratzfatz runterzulesen - ohne Reue, aber auch bald schon wieder vergessen.
Viel Atmosphäre für Fans des schottischen Hochlands bietet Tony Strongs "Der Taubenturm" (Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2006, 475 Seiten, 8,90 Euro), das im Original bereits 1999 unter dem Titel "The Death Pit" in London erschien. Darin lässt der 1962 in Uganda geborene Autor seine Protagonistin nach Babcock Castle irgendwo hinter Inverness reisen, um für ihre Doktorarbeit den Nachlass der im 17. Jahrhundert als Hexe verbrannten Adelsdame Catherine McCulloch zu sichten. Doch dann wird in der Kadavergrube einer nahe gelegenen Schweinefarm die verstümmelte Leiche einer jungen Frau gefunden. Wie sich bald herausstellt, gehörte die Tote einer Sekte an, die sich dem Hexenkult verschrieben hat. Und im Rucksack der Toten wird ein verschwundener Brief Catherines gefunden… Ein Sahnestückchen für Liebhaber des Historienkrimis, ein Fest für alle, die nach dunklen Geheimnissen und deren Enthüllung gieren, aber beileibe kein gemütlicher Häkelkrimi. Sehr interessant.
Das wär doch mal was: Kinkster for President! Nun gut, den Einzug ins Weiße Haus strebt Kinky Friedman - vorerst wenigstens - gar nicht an, aber immerhin will der jüdische Countrysänger und Ihnen hier schon mehrfach ans Herz gelegte Krimiautor der nächste Gouverneur von Texas werden. Am 7. November wird gewählt, und dann wird sich zeigen, ob der exzentrische Spaßvogel im stockkonservativen Süden der USA landen konnte. Denn obwohl Friedman mit Countrysongs wie "They Ain't Makin' Jews Like Jesus Anymore" die in den USA allgegenwärtigen christlichen Fundamentalisten und Antisemiten aller Couleur provozierte, sein souveränes Lächerlichmachen des Politestablishments und sein Engagement gegen Kinderarmut, Turbokapitalismus und Umweltzerstörung hat ihm viel Akzeptanz eingebracht. Wir drücken dem Kinkster jedenfalls ganz fest die Daumen, stecken uns eine der von ihm so geliebten Kubazigarren an und greifen zu einem seiner köstlichen Kinkster-Krimis. Etwa "Der glückliche Flieger" (Tiamat, Berlin 2005, 192 Seiten, 14 Euro). In dem vor sechs Jahren unter dem Titel "The Mile High Club" erschienenen Roman legt sich der Kinkster wieder mit allen an, die keinen Humor haben. Egal ob es sich dabei um Terroristen, ums State Department oder um seinen Privat-Watson Ratso handelt. Deshalb hier der ultimative Aufruf: Texaner aller Länder, wählt den Kinkster!
Yasmina Khadra:
Die Algier-Romane.
Zürich, Unionsverlag 2006,
448 Seiten, 12.00 Euro
Jon Evans:
Tödlicher Pfad
München, dtv
2006,
374 Seiten, 8.90 Euro
Tony Strong:
Der-Taubenturm.
Reinbek, Rowohlt 2006.
475 Seiten, 8.90 Euro
Kinky Friedman:
Der glückliche Flieger.
Berlin, Edition Tiamat 2005.
192 Seiten, 14.00 Euro
Ulrich Kroegers Krimitipp
Eine Kolumne
Ein Service der Alligatorpapiere
im
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Tel.:0202/51 10 89
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