– gerührt, nicht geschüttelt.

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dibdin-Sterben-auf-Italienisch Auch Michael Dibdin (1947 – 2007) war Brite, ließ aber seine Kriminalromane in Italien spielen, wo er an der Universität von Perugia fünf Jahre englischsprachige Literatur unterrichtete. Sein Hauptfigur heißt Aurelio Zen und ist Sonderermittler des Innenministeriums in Rom, das den Commissario seit 1988 in die verschiedensten Regionen Italiens schickt, um vor Ort bei der Lösung besonders kniffliger Kriminalfälle zu helfen. In Dibdins letztem, vergangenes Jahr in London unter dem Titel "End Games" erschienenem Zen-Roman ("Sterben auf Italienisch", Goldmann Taschenbuch, München 2007, 443 Seiten, 8,95 Euro) muss sich der bodenständige, oft ein wenig unbeholfen agierende Kommissar in Kalabrien mit schlechtem Essen ("Seine Mutter hatte in ihrem ganzen Leben nie mit Tomaten gekocht. 'Roba del sud', hätte sie verächtlich gesagt. Südländischer Kram.") und den Ehrvorstellungen des tiefsten italienischen Südens auseinandersetzen. Eine Expedition der besonderen Art, spannend, actionreich und voller unerwarteter Wendungen.

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deaver-Die-Menschenleserin.jpg Jeffery Deaver (Jahrgang 1950) ist Freunden psychologisch ausgefeilter, gut recherchierter und in puncto Spannungsaufbau perfekt konstruierter Thriller kein Unbekannter. Die Hauptfigur seiner wichtigsten Serie war der Forensiker Lincoln Rhyme, nun präsentiert der abwechselnd in Virginia und in Kalifornien lebende Autor in seinem jüngsten, in New York erschienenen Roman "The Sleeping Doll" ("Die Menschenleserin", Blanvalet, München 2008, 541 Seiten, 19,90 Euro) eine neue Expertin in Sachen Kriminalistik. Das Spezialgebiet von Kathryn Dance ist das Deuten der Körpersprache eines Verdächtigen, während er vernommen wird. Das bringt der Ermittlerin den Auftrag ein, den charismatischen Psychopathen Daniel Pell zu befragen, der wegen mehrerer Morde in einem Hochsicherheitstrakt einsitzt. Dort passiert, was nie hätte passieren dürfen: Dem Killer gelingt die Flucht, und ein böses Hase-und-Igel-Spiel beginnt, bei dem die Ermittlerin immer einen Schritt zu spät zu kommen scheint …


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harvey-Schlaf-nicht-zu-lange.jpgDefinitiv zu spät kam Frank Elder bei seinem ersten Fall in Nottingham, als es dem Polizisten nicht gelang, einen Frauenmörder zu stellen. Eine traumatische Erfahrung, die den pensionierten Detective im dritten Band der Elder-Trilogie von John Harvey (Jahrgang 1938) wieder einholt, der 2006 in London unter dem Titel "Darkness & Light" ("Schlaf nicht zu lange", dtv, München 2008, 427 Seiten, 8,95 Euro) erschien. Als ihn nämlich seine Ex-Frau in Elders Zufluchtsort in Cornwall anruft und ihm vom Verschwinden einer Bekannten berichtet, ist die alte Geschichte wieder präsent. Zumal die verwitwete Mittfünzigerin bald gefunden wird – tot und in einer ähnlichen Pose aufgebahrt wie damals das ermordete Mädchen, das Elder nicht aus seinem Bewusstsein verbannen kann. Harveys Elder-Romane seien "ein Glücksfall für jeden Liebhaber authentischer Kriminalliteratur – glaubwürdig, logisch und fernab aller Schwarz-Weiß-Malerei mit ganz normalen Menschen bevölkert", schrieben wir über den ersten Band "Schrei nicht so laut". Überzeugen Sie sich selbst!


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martinez-der-langsame-tod-der-luciana-b.jpg Um Obsessionen, Rachegelüste und Verfolgungsängste geht es vordergründig in dem 2007 unter dem Titel "La muerte lenta de Luciana B." ("Der langsame Tod der Luciana B.", Eichborn, Frankfurt 2008, 198 Seiten, 17,95 Euro) erschienenen Roman des Argentiniers Guillermo Martínez (Jahrgang 1962). Es ist die Geschichte einer einst attraktiven Studentin, die für eine Reihe mysteriöser Schicksalsschläge einen berühmten Kriminalschriftsteller verantwortlich macht, bei dem sie vor Jahren als Sekretärin arbeitete – der in der Öffentlichkeit allgegenwärtige Starautor soll sich durch Morde an ihren Familienangehörigen dafür rächen, von ihr abgewiesen worden zu sein. Ihre Vorwürfe teilt sie dem Icherzähler des Romans mit, der ebenfalls Krimiautor ist und vor der Frage steht: Was ist Unfall, was ist perfekte Inszenierung? Die Frage nach der Wahrscheinlichkeit des Unerhörten in einer scheinbar geordneten Gesellschaft löst der studierte Mathematiker Martínez zum Glück nicht auf – und gibt dem Roman auf diese Weise eine noch lange im Gedächtnis des Lesers haftende Kraft. Ein ganz besonderes Buch, das so nur aus Lateinamerika kommen konnte.

dibdin-Sterben-auf-Italienisch.jpg Michael Dibdin:
Sterben auf Italienisch


München, Goldmann Taschenbuch, 2007
443 Seiten, 8.95 Euro

deaver-Die-Menschenleserin.jpg Jeffery Deaver:
Die Menschenleserin


München, Blanvalet, 2008
541 Seiten, 19.90 Euro

harvey-Schlaf-nicht-zu-lange.jpg John Harvey:
Schlaf nicht zu lange


München, dtv 2008
427 Seiten, 8.95 Euro

martinez-der-langsame-tod-der-luciana-b.jpg Guillermo Martínez:
Der langsame Tod der Luciana B.

Frankfurt, Eichborn Verlag, 2008,
198 Seiten, 17.95 Euro

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Ulrich Kroegers Krimitipp
Eine Kolumne

Ein Service der Alligatorpapiere
im
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Ulrich Kroegers Krimitipps: Index
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Ulrich Kroegers erster Krimitipp erschien vor fünfeinhalb Jahren. Damals war in Bremerhaven Kriminalliteratur – zumindest in der Zeitung – kein Thema, und niemand dachte daran, eine auf Dauer angelegte Kolumne zu etablieren. Es kam zum Glück anders. Heute erscheint Ulrich Kroegers Krimitipp einmal im Monat im Sonntagsjournal der "Nordsee-Zeitung", dessen Redaktion wir für die Genehmigung zur Veröffentlichung und Archivierung bei den Alligatorpapieren danken. Zum Konzept der Kolumne gehört, dass auf Verrisse zugunsten von Leseempfehlungen verzichtet wird. Zudem beschränken sich die Besprechungen in der Regel auf Taschenbücher und Paperbacks, einer publizistischen Tradition des Kriminalromans folgend und eingedenk der begrenzten finanziellen Spielräume vieler Leser – nicht nur in einer von Arbeitslosigkeit gebeutelten Hafen- und Industriestadt.

Der Autor, Jahrgang 1956, Studium (Politologie, Sozialwissenschaften, Geschichte) in Braunschweig und Bremen, arbeitete als Produktionshelfer, Nachhilfelehrer, Sozialarbeiter und fristet seit zehn Jahren als freier Journalist und Redakteur sein Dasein. Er liebt die Küste, hört "WBGO Jazz88.3 FM," trinkt Scotch, spielt Mah Jongg und fiebert für Werder. Doch die meiste Freizeit verbringt er mit – na, Sie wissen schon!
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