Sprachliche Stilsicherheit, gekonnten Spannungsaufbau und realistischen Gegenwartsbezug attestierten wir im April vergangenen Jahres Oliver Bottini nach der Lektüre seines zweiten Kriminalromans "Im Sommer der Mörder" (Scherz, Frankfurt 2006, 460 Seiten, 14,90 Euro). Das scheinen die Juroren des Radio-Bremen-Krimipreises ähnlich zu sehen: Am 19. September wird dem 32-jährigen Münchener im Rahmen des 10. Krimifestivals "Prime Time Crime Time" in der Schauburg die begehrte Auszeichnung übergeben. Bottini zeichne "eine besondere Fähigkeit aus, raffinierte Plots mit unkonventionellen Figuren zu einem atmosphärisch dichten Netz zu verknüpfen", begründet die Jury ihre gute Wahl. Wir gratulieren.
Krimikritiker haben's gut: Schon Wochen vor Erscheinen von Andrea Maria Schenkels "Kalteis" (Nautilus, Hamburg 2007, 153 Seiten, 12,90 Euro) hat der Verlag uns mit einem Leseexemplar bedacht. Doch ist es guter Brauch, ein Buch nicht zu besprechen, bevor die Leser es auch tatsächlich kaufen können. Deshalb müssen wir Sie heute auf den nächsten Krimitipp (SJ, 30. August 2007) vertrösten. Nur so viel: Gehen Sie am 8. August zum Buchhändler Ihres Vertrauens und besorgen Sie sich den zweiten Roman der "Tannöd"-Autorin. Es lohnt sich. Versprochen. 
Wie Schenkel bewegt sich Marten 't Hart abseits des Krimimainstreams. Dies zur Entschuldigung, warum wir Ihnen den schon 2004 erschienenen und seit dem vergangenen Jahr nun in einer preiswerten Paperbackausgabe vorliegenden Roman "In unnütz toller Wut" (Piper, München 2006, 352 Seiten, 9,90 Euro) erst heute vorstellen. In ruhigem Ton berichtet uns hier ein Ich-Erzähler von der Unruhe, die ein kleines Dorf der niederländischen Provinz ergreift, als eine junge Fotografin für einen Bildband meist ältere Bewohner des Ortes ablichtet. Bald nach Veröffentlichung des Buches häuft sich die Zahl der Todesfälle unter den Porträtierten ... Eine hintersinnige Geschichte, die uns der 63-jährige Niederländer hier auftischt, psychologisch verwickelt, in angenehmer Weise gelehrt und mit feinem Gespür fürs Detail. Und natürlich ist am Ende alles anders, als man gedacht hatte.
Tiefe Provinz ist auch das verschlafene Grenzdorf, in dem Wolfgang Brenner seinen ersten Bollinger-Krimi "Bollinger und die Friseuse" (dtv, München 2007, 233 Seiten, 12 Euro) angesiedelt hat. Links die französische Seite mit Boulangerie, winzigem Supermarché und ein paar heruntergekommenen Läden, rechts mit Geranien geschmückte Häuser, ein Baumarkt mit riesigem Parkplatz und ein Aldi. Ein Ort also, in dem eigentlich nie etwas passiert, aber alles seine Ordnung hat, auch wenn diese nicht immer mit dem Buchstaben des Gesetzes konform geht. Ausgerechnet der die Karriereleiter heruntergefallene Felix Bollinger ist nun ausersehen, die gemeinsame deutsch-französische Polizeistation zu leiten. Und natürlich entschließt sich der von seinen kriminologischen Fähigkeiten sehr überzeugte Deutsche bald, zwecks beruflicher Rehabilitierung einen alten Fall wiederaufzurollen ... Schön, wie der 1954 im Saarland geborene Autor mit nationalen Klischees zu spielen weiß, dabei jedoch eine glaubwürdig konstruierte Geschichte mit tragfähigem Spannungsbogen erzählt und gute Unterhaltung im besten Sinne abliefert. Der zweite Bollinger-Krimi ist fürs kommende Frühjahr angekündigt, und wir freuen uns auf ihn.
Nun zu einem Star der europäischen Krimiszene: Petros Markaris, Theater- und Drehbuchautor, Übersetzer deutscher Dramen wie Goethes "Faust" und Brechts "Mutter Courage" ins Griechische und Hellas' berühmtester Kriminalschriftsteller. Der 1937 in Istanbul geborene Markaris hat mit Kostas Charitos eine Figur geschaffen, deren knorrigen Charakter man schon nach wenigen Seiten nicht mehr missen möchte. Der Athener Kommissar sehnt sich nach der Zeit zurück, "als mein Vater (...) Ziegendieben und ich Taschendieben hinterherjagten". Nun jagt er "Mafiosi hinterher, die gewissermaßen das Personal in den Supermärkten des Verbrechens sind, wo alles im Angebot ist: von Ukrainerinnen und Rauschgift bis zu Nachtlokalen und großen Bürokomplexen". Charitos klagt nicht ohne Grund. In "Der Großaktionär" (Diogenes, Zürich 2007, 477 Seiten, 21,90 Euro) muss der geplagte Kommissar nicht nur den Mord an einem männlichen Fotomodell aufklären, er muss sich auch einer schweren persönlichen Prüfung stellen: Terroristen haben die Fähre nach Kreta gekapert, auf der Charitos' über alles geliebte Tochter Katerina ihrem Urlaub entgegenfuhr ... Auch in seinem nach "Hellas Channel" (1995), "Nachtfalter" (1998) und "Live!" (2003) vierten Charitos-Roman gelingt dem 2005 mit dem Deutschen Krimipreis geehrten Autor ein stimmiges, ungeschminktes Bild der modernen griechischen Gesellschaft. Schön, dass er dabei trotz aller Missstände seinen feinen, bisweilen auch ins Sarkastische abgleitenden Humor nicht verliert. Höchste Empfehlungsstufe! ... 
Zum Schluss ein Tipp für alle Liebhaber des klassischen PI-Romans, denen man Robert B. Parker und seinen Bostoner Privatdetektiv Spenser nicht vorstellen muss. Soeben hat der Bielefelder Pendragon Verlag den 33. Roman der Serie vorgelegt: "Der stille Schüler" (213 Seiten, 9,90 Euro). Spenser ist wie eh und je: hart im Nehmen, aber feinfühlig, stets einen Witz auf den Lippen und mit Sinn für Poesie, ein Anwalt der Außenseiter, wenn auch gegen Honorar. "Der stille Schüler" übrigens hat gestanden, an einer tödlichen Schießerei an einer privaten Eliteschule beteiligt gewesen zu sein. Die ganze Stadt würde ihn am liebsten lynchen, nur die Großmutter des Jungen glaubt nicht an seine Schuld. Ein Fall für Spenser, ist doch klar. ...
Oliver Bottini:
Im Sommer der Mörder.
Frankfurt, Scherz Verlag 2007.
460 Seiten, 14.90 Euro
Andrea Maria Schenkel:
Kalteis
Hamburg, Nautilus Verlag 2007,
153 Seiten, 12.90 Euro
Marten 't Hart:
In unnütz toller Wut
München, Piper Verlag 2007,
352 Seiten, 9.90 Euro
Wolfgang Brenner:
Bollinger und die Friseuse.
München, dtv, 2007,
233 Seiten, 12.00 Euro
Petros Markaris:
Der Großaktionär
Zürich,Diogenes Verlag, 2007,
477 Seiten, 21.90 Euro
Robert B. Parker:
Der stille Schüler
Bielefeld, Pendragon Verlag, 2007,
213 Seiten, 9.90 Euro
Ulrich Kroegers Krimitipp
Eine Kolumne
Ein Service der Alligatorpapiere
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