krakauer-schwarze-post






Krakauer Schwarze Post.
No. 6
Die Kolumne von Markus Schnabel





5. Polnisches Krimifestival



fuenftes-polnisches-krimifestival.jpgVom 19. bis zum 22. November 2008 ging mit dem klingenden Titel "Pora Kryminalu" (Krimizeit) das 5. polnische Krimifestival über die Bühne. In Krakau und elf anderen polnischen Städten fanden Autorentreffen, Buchvorstellungen und Diskussionsabende statt. Mit dabei das Aufgebot der wichtigsten polnischen Krimi-Autoren: Marek Krajewski, Marcin Swietlicki, Irek Grin, Zygmunt Miloszewski, Konrad T. Lewandowski, Tomasz Konatkowski, Marcin Wronski, u.a.
Einige Autoren stellten dabei ihre neuesten Romane vor, wie etwa Marek Harny Wszyscy grzesza (2008, Jeder sündigt) und Marcin Swietlicki Jedenascie (2008, Elf ) - den dritten und abschließenden Teil seiner Krimitrilogie rund um den Krakauer Antihelden Mistrz.

Der traditionelle internationale Ehrengast war diesmal die Gründerin des zeitgenössischen russischen Abenteuerkrimis TATJANA POLJAKOWA (gibt es von ihr keine deutschen Übersetzungen, oder sind mir solche einfach entgangen?). Ihr wurde bei der Abschlussgala, nachdem sie den Versammelten einen interessierten Einblick in die russische Krimilandschaft gab, der diesjährige Ehrenpreis überreicht.
Als krönender Abschluss des Abends und des Festivals wurde bereits zum fünften Mal der Krimipreis "Wielki Kaliber" für den besten polnischen Krimi des (Vor-)Jahres vergeben. Die bisherige Regel von sieben Nominierten musste die Jury in diesem Jahr bereits im Vorfeld, aufgrund der gewaltig angestiegenen Dichte polnischer Kriminalromane (vgl. Schwarze Post Nr. 2), auf zehn erhöhen. Damit waren für den wichtigsten (eigentlich den einzigen) polnischen Krimipreis folgende Romane nominiert:
Nach den vier Preisträgern der letzten Jahre - Marek Krajewski (Koniec swiata w Breslau Der Kalenderblattmörder), Pawel Jaszczuk (Foresta Umbra), Marek Harny (Pismak Der Schreiberling) und Marcin Swietlicki (Dwanascie Zwölf) - konnte sich diesmal ZYGMUNT MILOSZEWSKI mit seinem Thriller Uwiklanie (Verwicklungen) durchsetzen. Witold Beres, der Jury-Vorsitzende, begründete den Jurybeschluss mit drei wichtigen Argumenten: Besonders entscheidend war die Tatsache, dass sich der Autor nicht als ein weiterer Nachahmer des, seit Krajewski in Polen besonders populären, Historienkrimis erwies. Ein zweites Plus war das Fehlen von - ebenfalls für polnische Krimis sehr typischen - Verschwörungstheorien. Als drittes und letztes Argument erwies sich der gekonnte Schluss, der dem Autor keine Kunststücke abverlangte den Täter erkennbar zu machen.
Der 1976 geborene Zygmunt Miloszewski, Prosaschriftsteller und Journalist von "Newsweek Polska", veröffentlichte bisher neben einigen Erzählungen und Abenteuermärchen für Kinder, den Thriller "Domofon" (2005), der 2008 auch vom dtv-Verlag in deutscher Übersetzung herausgegeben wurde (www.dtv.de).
Miloszewski-Uwiklanie.jpgIm prämierten Thriller Uwiklanie ermittelt Miloszewskis Staatsanwalt Teodor Szacki an einem besonderem Fall: 2005. An einem kühlen Junisonntag wird in einem Kloster im Warschauer Stadtzentrum ein Teilnehmer einer unkonventionellen Gruppentherapie ermordet. Bei dieser Therapie hatten die Patienten in die Rolle ihrer Verwandten zu schlüpfen. Der Staatsanwalt hofft, eine genaue Überprüfung der Vergangenheit des Opfers - einer außerordentlich uninteressanten und farblosen Person - würde etwas Licht in die Sache bringen und schlussendlich zum Mörder führen. Doch, es gibt Geheimnisse, die man nicht ungestraft entdeckt. Manche Familiengeheimnisse werden von stärkeren Mächten geschützt, als man es etwa vermuten würde.
Man darf auf eine rasche Übersetzung ins Deutsche hoffen!

Nach oben

Krakauer Schwarze Post. Von Markus Schnabel
Ein Service der Alligatorpapiere
im
NordPark Verlag
Alfred Miersch
Klingelholl 53
42281 Wuppertal
Tel.:0202/51 10 89

Kontakt


Dezember 2008





News    |   Sitemap |   Die gesamte Schwarze Post

schnabel-markus.jpg Markus Schnabel
Markus Schnabel wurde 1978 in Amstetten / Österreich geboren. Nach einigen Jahren in der Privatwirtschaft Studium der Slawistik mit Hauptfach Polnisch an den Universitäten Wien und Krakau. Abschlussarbeit über aktuelle Krimiliteratur in Polen. Arbeitet und lebt derzeit als Übersetzer in Krakau.


Das Foto zur Kolumne stammt von Jan Ronald Crans und heißt "Krakau Photo Wawel Castle 2". Es stammt aus seiner Krakau-Sammlung bei Flickr