Krakauer Schwarze Post.
No. 1
Die Kolumne von Markus Schnabel
Das IV. Polnische Krimifestival
Am 18. November 2007 ging das IV. Polnische Krimifestival zu Ende. Organisatoren waren das Polnische Buchinstitut, die Gesellschaft der Krimi- und Thrillerliebhaber "TRUP w SZAFIE - die Leiche im Schrank" und lokale Partner. Veranstaltungen gab es in Krakau, Danzig, Kattowice, Warschau, Bielsko-Biala, Kedzierzyn-Kozle, Lublin und Posen.

Der Startschuss fiel am 13. November im Krakauer Café Szafa, wo man Howards Hawsk Verfilmung des Chandler-Klassikers "Der große Schlaf" zeigte. Nach dem Film wurden Bilder der Krakauer Künstlerin Greta Gniadek präsentiert, die durch Meisterdetektive wie Marlowe, Poirot und Co inspiriert worden war.
Mittwochabends stand ein Treffen mit den Krakau Krimiautoren Gaja Grzegorzewska ("Der Sensenmann" und "Die Nacht von Donnerstag auf Sonntag), Mariusz Wollny ("Kacper Ryx" und Krzysztof Mackowski "Baden's Rapport") an. Allein die Krimis von Grzegorzewska handeln im Jetzt - in ihrem aktuellen Buch liefert sie ein sehr ironisches Zeugnis des Krakauer Nachtlebens in und vor Discos und Kebabständen. Mariusz Wollny entführt in seinem Buch in ein Krakau des Spätmittelalters. Mackowski folgt dem Trend des Retro-Krimis, den Marek Krajewski in Polen vorgegeben hat. Die Handlung Mackowski's Roman ist um die Jahrhundertwende zum XX. Jahrhundert angesiedelt.
Treffen mit Autoren von Stadt-Krimis fanden auch in anderen polnischen Städten statt. In Danzig stellten sich Piotr Schmandt "Das Preußische Rätsel" und Marek Idczak "Salziger Wind" dem Publikum. In Posen präsentierten sich Edward Pasewicz "Tod im Darkroom", Ryszard Cwirlej "An der Warthe spazieren Gespenster" und Zbigniew Wojtys "Der Philatelist". Und in Warschau, führte der Literaturkritiker und Krimiautor Jaroslaw Klejnocki "Das Kap der Posierer" eine Diskussion mit Zygmunt Miloszewski "Domophon", "Verknüpfungen" und Konrad T. Lewandowski "Magnetiseur" und "Die Göttin von der Labrador-Halbinsel" und Tomasz Konatkowski "Haltestelle Tod" statt.
Miloszewski und Konatkowski porträtieren das heutige Warschau und geben zu, es wäre nicht ihr Ziel das tägliche Warschau zu mythologisieren. Vielmehr wollten sie der Stadt mit ihren Krimiintrigen einen neuen Kick geben. Einige der Orte - Strassen, Plätze, Lokale - die sie zeigen, gäbe es in der Art und Weise, wie sie in ihren Büchern präsentiert werden nicht mehr. Ihrer Meinung nach ist der aktuelle Krimi eine sehr kurzfristige Angelegenheit. Die beiden Autoren wollen ihrer Stadt nicht nur einen melancholischen Stich geben sondern sie in ihren Büchern, ähnlich einer fotografischen Momentaufnahme, verewigen. Alle drei Autoren aus der Hauptstadt stimmen einer Nostalgie zu Warschau zu. Lewandowski nützt diese vor allem dazu, die etwas angestaubten Zwischenkriegsjahre auszupacken und bettet seine Romane in die Zeit der Warschauer Gangs und deren Ehrenkodizes ein.
Bei all diesen Treffen konnte eine gewisse Tendenz zu einer Zweiteilung des polnischen Stadt-Krimis erkannt werden: junge Autoren verstehen es, neben dem Sensationsfaktor, mit ihre Publikationen Sittenverfall und das Gesellschaftsbild zu kritisieren. Eignet sich doch der Krimi hervorragend um eine Epoche zu analysieren. Mit dem Retro-Krimi - damit sind Krimis gemeint deren Handlungszeitraum von der vorkommunistischen Zeit Polens bis ins Mittelalter zurückreicht - wiederum lässt sich ein Klima voll Nostalgie und Abenteuer schaffen.
Am Freitag kamen bei einem Autorengespräch diesjährige Krimi-Debütanten Izabela Szylko "Madonna mit der Hyazinthe", Bartlomiej Rychter "Kurs auf Genua", Maria Obuch "Zum Teufel mit Brünetten", sowie Jacek Bierut "PiT" zu Wort.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch ein Treffen mit
Marek Krajewski. Es handelt sich dabei um den meistgelesenen polnischen Krimiautor der Gegenwart. Das Potential Marek Krajewskis wurde bereits beim I. Polnischen Krimifestival vor vier Jahren erkannt, bei dem er als Laureat des Hauptpreises "das große Kaliber" hervorging. Seit dieser Zeit erschien Jahr für Jahr ein Kriminalroman mit Eberhard Mock in der Hauptrolle. Und auf die Veröffentlichung folgt ebenso jährlich ein Platz unter den 7 Nominierungen für den Hauptpreis. Obwohl der Autor zuvor versichert hatte, er würde nach dem vierten Roman Schluss machen, verstieß Krajewski mit der Veröffentlichung seines fünften Romans "Pest in Breslau" nicht nur gegen seine Vorankündigung sondern gab auch seine Stelle als Universitätsdozent für Altphilologie auf um zum Verfassen der nächsten Krimis mehr Zeit zu finden.
Am Samstag, dem 17. November 2007 wurden nach einem Treffen mit Leonid Jusefowitsch, dem russischen Autor der Bücher "Im Namen des Zaren", "Das Medaillon", "Der mongolische Fürst" im Krakauer Klub Alchemia während einer Festgala die Preisträger des IV. Polnischen Krimifestivals verkündet:
Den Hauptpreis "das große Kaliber" für den besten Kriminalroman oder Thriller des Jahres 2006 wurde an MARCIN SWIETLICKI für seinen Roman DWANASCIE "Zwölf", im Verlag EMG erschienen, vergeben.
Den Ehrenpreis "das große Kaliber" wurde dem russischen Krimiautor LEONID JUSEFOWITSCH für seine Schaffen als (Retro-)Krimiautor zuerkannt.
Ausgezeichnet wurde ebenfalls MAREK KRAJEWSKI für die Einführung und nachhältige Prägung der Figur des Eberhard Mock (die Breslau-Reihe).
Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr der Preis "das große Kaliber EMPiK" vergeben. Es handelt sich dabei um einen Sonderpreis der Buchhandelskette EMPiK für die Bücher mit den besten Verkaufszahlen. Als Laureaten wurden JOANNA CHMIELEWSKA für ihren Roman "Kretka Blada" sowie LEONIE SWANN, deren polnische Übersetzung des Buches
"Glennkill" die meisten Umsatzzahlen brachte, gekürt.
(Mein Dank gilt den Veranstaltern des Krimifestivals und besonders der Redaktion des polnischen Krimiportals
www.portalkryminalny.pl, denen ich für wichtige Informationen danke!)