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Die Alligatorpapiere


Alicia Giménez-Bartlett

»Gefährliche Riten«
vorgestellt von Stefan Lichtblau

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Alicia Giménez-Bartlett
wurde 1951 in Almansa geboren, studierte Philologie und lebt seit 1975 in Barcelona. Sie veröffentlichte mehrere Romane und zählt zu den erfolgreichsten spanischen Autorinnen der Gegenwart. 1997 wurde sie mit dem �Premio Femenino Lumen� ausgezeichnet. Die Petra-Delicado-Romane wurden 1999 in einer 13-teiligen Fernsehserie verfilmt.


Bibliographie:


Hundstage.

Taschenbuch
UT metro 196
ISBN 3-293-20196-2 (2001)


Boten der Finsternis.

Taschenbuch
UT metro 217
ISBN 3-293-20217-9 (2001)



Alicia Giménez-Bartlett im Autorenlexikon der Alligatorpapiere


Alicia Giménez-Bartlett: Gefährliche RitenPetra Delicado - Anwältin, frisch geschieden - fristet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Polizeiarchiv ein eher unspektakuläres Dasein. Als jedoch ein Kollege verunglückt, soll sie bei einer Ermittlung einspringen: Ein Vergewaltiger treibt in den Straßen von Barcelona sein Unwesen, sein Kennzeichen ist ein mysteriöses Mal in Form einer Blume, das er bei allen Opfern hinterlässt.
Dass ihr für diesen komplizierten Fall Subinspector Fermín Garzón zugeteilt wird, der erst vor kurzem von Salamanca nach Barcelona versetzt worden ist, macht ihre Aufgabe nicht leichter. Aber sie will es den Männern zeigen...


Petra Delicados hat wieder einmal ihr Leben geändert, die zweite Ehe aufgekündigt, weil sie nicht die Mutter ihres jungen Ehemannes sein wollte. Sie hatte nach ihrem ersten Mann ihre Anwaltskarriere aufgegeben und nun verläßt sie den Kneipentresen ihres zweiten Mannes und fängt bei der Polizei von Barcelona an.
Doch von Action bisher keine Spur. Sie wird ins Archiv abgeschoben und nur ab und zu zum allgemeinen Polizeidienst abgerufen, meist aber nur, um Taschen- und Kaufhausdiebe zu verhören.
Dass sie plötzlich einen Vergewaltigungsfall zu untersuchen hat, ist purer Zufall: der zuständige Kollege ist krank geworden und die anderen Kollegen sind für wichtigeres vorgesehen, als einen Vergewaltiger zu suchen.
Zugeteilt wird ihr als Mitarbeiter Subcommissar Fermin Garzóns, der erst vor kurzem von Salamanca nach Barcelona versetzt worden ist, ein kauziger, von der Provinz geprägter Mann, dem die Arbeit unter einer Frau äußerst unangenehm ist.
Der Vergewaltiger entwickelt sich zum Serientäter, sein Kennzeichen ist ein mysteriöses Mal in Form einer Blume, das er bei allen Opfern hinterlässt und natürlich wird diese Vergewaltigungsserie und die recht unbeholfene Ermittlungsarbeit des neuen Ermittlungsteams zum Hauptthema der Sensationsmedien. Doch der Druck der Öffentlichkeit schweißt dieses seltsame Paar allmählich zusammen, die unkonventionelle, sprunghafte Petra Delicados und der zähe, aussendienst- und verhörerfahrene Fermin Garzóns spüren schließlich den Vergewaltiger auf. Aber der flieht kurz vor der Verhaftung und wird später ermordet aufgefunden. Dennoch gehen die Vergewaltigungen weiter und die beiden Ermittler sehen sich in einem fast unlösbar scheinenden Fall zu spektakulärem Handeln gezwungen...

Alicia Giminez-Bartlett beschreibt glaubhaft die Selbstfindung eines unerfahrenen Teams und nutzt in diesem Roman die polizeiliche Spürarbeit, um in die ärmeren Viertel Barcelonas einzutauchen. Sie zeigt die Opfer der Gesellschaft, gefangen in ihren Persönlichkeitsstrukturen, Menschen, die nicht die Kraft, den Elan oder den Willen haben, Träume zu verwirklichen oder die schon aufgegeben haben. Menschen mit schlechten Startbedingungen, das Heer der Diensleistenden, die keine Illusionen mehr haben. Und es sind gerade diese Schwachen und Mutlosen, die der Vergewaltiger zu seinen Opfern macht.
Alicia Giminez-Bartlett hat sich auf wohltuende Art zurückgehalten und dadurch einen angenehm unterhaltenden Krimi geschrieben. Sie hat nicht vor, das Genre neu zu erfinden und verfügt über die Fähigkeit, weglassen zu können. Ihre Romane sind in Barcelona angesiedelt, aber sie unterlässt es, plaudernde und allwissende Stadtführer zu schreiben. Gekonnt wahrt sie die regionalen Bezüge, ohne aufdringlich zu sein und sie kann auf katalanische Speisen verweisen, ohne mit seitenlangen Kochrezepten zu nerven, wie es nicht nur ihr Kollege Montalban zu tun beliebt. Dabei gelingt der Autorin die Balance zwischen Handlung und schmückendem Ambiente, indem sie die Kauzigkeit der verschiedenen Personen nicht übertreibt, sondern zum richtigen Zeitpunkt in die Handlung einbaut und geschickt den Schritt in sozialkritischen Kitsch vermeidet.
Aus den Romanen um Petra Delicados wurde in Spanien eine erfolgreiche Fernsehserie und es wäre zu wünschen, daß es hierzulande auch kluge Mainstreamliteratur schaffen könnte, die Bestsellerränge zu stürmen.

Alicia Giménez-Bartlett:
Gefährliche Riten
Zürich:Unionsverlag 2002.
UT metro232
320 Seiten EUR 9.90�/FR 17.70�
ISBN 3-293-20232-2

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