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Helmut Frangenberg

»Trümmer«
vorgestellt von Stefan Lichtblau

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Helmut Frangenberg
geboren 1966 in Köln, ist gelernter Journalist. Nach seinem Studium der Geschichte, Politik und Germanistik arbeitete er als Redakteur und Programmplaner bei �Radio Köln� und wechselte im Jahr 2000 in die Lokalredaktion der Kölnischen Rundschau. Er ist verheiratet und Vater zweier Söhne.



Helmut Frangenberg: TrümmerAm 19. November 1947 wird in Köln eine Frau erschossen aufgefunden und komplizierte Ermittlungen beginnen für das Team der Mordkommission um den erfahrenen Oberinspektor Mohren und den jungen Ermittler Richard Munckler. Doppelmoral, Verstrickungen in die Nazizeit und die Probleme der Menschen, ihre Rolle in der "neuen" Gesellschaft zu finden, erschweren die Suche nach den Tätern ...

Regionalkrimis sind eine immer wieder schwer einzuschätzende Untergattung des Genres. Schon der Name legt fest, für wen diese Romane gestrickt werden: regionale Leser, regionale Buchhändler, regionale Autoren, regionale Medien. Das ist durchaus keine schlechte Konstellation, denn alle Beteiligten kommen in der Regel auf ihre Kosten: regionale Romane verkaufen sich gut, so daß Auflagen zustande kommen, die für viele Verlage und Autoren bundesweit nicht durchsetzbar wären. Regionalkrimis können also durchaus ein Segen sein - aber auch ein Gefängnis. Denn es ist den meisten Regionalkrimis nicht möglich, über die Grenzen der Region im Buchhandel verkäuflich zu sein. So kann es denn passieren, daß wirkliche Perlen der deutschsprachigen Kriminalliteratur nicht den bundesweiten Erfolg ernten, den sie eigentlich verdienen. Eine solche Perle ist das Buch "Trümmer" von Helmut Frangenberg, das als sogenannter "Köln Krimi Classic" beim Emons Verlag erschienen ist.

"Trümmer", das erste Buch des 36jährigen Journalisten Frangenberg, ist auf eine wohltuend nüchterne Art konstruiert und neben der Stilsicherheit des Autors überzeugt vor allem, das sich nicht Köln, also das regionale Element in den Vordergrund spielt, sondern die Ermittlungsarbeit einer Mordkommission die Handlung trägt. Und die ist in diesem Fall nicht nur wegen des Mordfalls, sondern auch wegen der komplizierten Zeit- und Machtumstände interessant.
"Neben der Leiche kniete Karlsbeck. Richard hatte schon viel von diesem alten, wortkargen Mann gehört, den die Engländer angestellt hatten. Es war in ganz Köln zuständig für Spurensicherung bei Mord und Totschlag und gleichzeitig so eine Art vorläufiger Gerichtsmediziner. Nach jedem Mord schrieb er einen eigenen Bericht für die Militärpolizei. Die Deutschen bekamen den Durchschlag."

Eine Mordkommission im Jahre 1947 in der schwierigen Balance zwischen den Besatzungsmächten und dem eigenen Volk. Eine neue Gesellschaftsordnung, mehr aufgestülpt als selbstgewählt, die dennoch auf viele Personen des nationalsozialistischen Beamten- und Verwaltungsapparates zurückgreifen muß, um eine halbwegs funktionierende Ordnung etablieren zu können. Das schafft Mißtrauen, hält einige alte Strukturen am Leben und gibt Anlass für Denunziation, Erpressung und Widerstand.
"Die haben ihre Pflicht für Volk und Führer getan," Paul hatte die Augen zusammengekniffen. "Das wissen die feinen Briten und Amerikaner nicht. Und der Chef auch nicht. Aber ich weiß es. Unsere neuen Kollegen sind Drecksschweine. Und sie werden dir und mir die Stellen wegnehmen, bei der Kripo oder sonstwo." "Was willst du tun?" "Schneller sein."
Hier versucht nun der junge Polizist Richard Munckler seinen Platz zu finden, den Platz in der Hierarchie des Polizeiapparates und im allgemeinen Leben und selbst er, blutjung in Zeiten des Krieges hat eine Last, eine Schuld zu tragen, wie fast alle Figuren des Romans.

Eine Frau ist vor den Augen ihres Stiefsohnes von einem Polen erschossen worden, zwei weitere Männer durchsuchten die Wohnung nach Geld. Alles deutet auf einen Raubüberfall von ehemaligen Zwangsarbeitern hin, doch im Laufe der Ermittlungen geraten ein anerkannter politisch Verfolgter in Verdacht, Oberinspektor Mohren wird infolge seiner NS-Vergangenheit belastet, ein ehemaliger Zwangsarbeiter wird zum Kriminellen, ein schwacher Vater verzweifelt und Richard Munckler erkennt, wie schmal die Grenze ist zwischen Gut und Böse, Schuld und Unschuld, Moral und Verrat.

Frangenberg ist mit "Trümmer" ein dichter Erstlingsroman gelungen, der eine aufregende Zeit erstaunlich subtil schildert, unaufdringlich ethische Fragen zur Disposition stellt und mit erfreulicher Zurückhaltung die Geschichte einer wahren Begebenheit erfindet. "Trümmer" wurde vom "Syndikat" in der Sparte Debutroman für den Friedrich-Glauser-Preis 2002 nominiert.

Helmut Frangenberg:
Trümmer
Köln:Emons Verlag 2001.
Broschur
Köln Krimi Classic 5
208 Seiten 9,00��
ISBN 3-89705-218-0

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