Korruption und Kungelei
Wer dem frischgebackenen Präsidenten der USA Böses will, weist gerne auf seine politischen Lehrjahre in Chicago hin. Nicht erst seit Rod Blagojevich, dem Gouverneur des Staates Illinois, die Amtsenthebung droht, gilt die Stadt als Synonym für "Korruption und Kungelei". Die Parteichefs der fünfzig Stadtbezirke gebieten über jeweils Dutzende 'Precinct Captains'. Diese 'Wahlbezirks-Hauptmänner' bekamen ihr Gehalt meist von der Stadt, ob als Müllmann oder Gesundheitsinspektor. Ihre Qualifikation für die Stelle war zweitrangig. Ein solcher Precinct Captain ist Jim Flannery, der in elf Kriminalromanen des vor neun Jahren verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Robert W. Campbell Morde aufklärt.
Joachim Feldmann über einen großer Erzähler von beachtlicher Produktivität ... mehr
Mitteilungsdrang
Im Heizungskeller des Chemischen Labors der Universität Oxford liegt eine Leiche, in deren Brust ein antiker arabischer Dolch steckt. Ermittelt wird von einem Detective Chief Inspector, es mischen sich ein: ein untergetauchter Archäologe und dessen aufgetauchte Tochter, ein dilettierender Privatdetektiv, ein ehemaliger Polizeibeamter ein zwielichtiger Herr und ein früherer Stasi-Agent. Und das Ergebnis? Unter den vielen schlechten Krimis dieser Welt nimmt "Späte Seilschaften" von Jutta Motz eine ganz besondere Stellung ein, meint Joachim Feldmann .... mehr
Wer will das alles wissen?
Dr. Klaus Erfmeyer, im Hauptberuf Rechtsanwalt in Dortmund, ist kein Krimi-Novize. Sein Erstling "Karrieresprung" verhalf dem Autor 2007 zur Nominierung für einen Glauser in der Sparte "Bester Debüt-Kriminalroman". "Geldmarie" ist bereits der dritte Roman, in dem sich der junge Anwalt Stephan Knobel (ebenfalls Dortmund) als Ermittler betätigt. Joachim Feldmann verrät nicht mehr, um die nicht unerhebliche Spannung, mit der Erfmeyer seine Leser auf den ersten einhundert Seiten bei der Stange hält, nicht aufzulösen. Schließlich will er niemanden von der Lektüre dieses Detektivromans mit Thrillerelementen abhalten, hat aber doch einiges auszusetzen ... mehr
Ein Ex-Polizist in Südafrika, ein guter Terrorist in Boston und ein genervter Privatdetektiv in Halle
Zu den besten Krimiautoren der Welt soll der Südafrikaner Deon Meyer gehören, schon lange in dieser Kategorie befindet sich Robert B. Parker, während Peter Godazgar wohl noch nicht dazu zu zählen ist.
Joachim Feldmann erklärt anhand der Bücher "Tod vor Morgengrauen", "Der gute Terrorist" und "Unter schrägen Vögeln", was Deon Meyer vom erzählerischen Können Robert B. Parkers fehlt und warum Peter Godazgar mit souveränem sprachlichen Witz überzeugt ... mehr
Der eine Titel hörte sich nach einem angenehm altbackenen Kriminalroman an, nach einer ironischen Hommage an die Zeiten, als
Privatdetektive noch ihre kleinen grauen Zellen aktivierten, um Mordfälle in den besseren Kreisen zu lösen. Und der andere, ein Debüt, klang nach Lokalkolorit und regionalem Zungenschlag.
Detektive in San Francisco und in der Kurpfalz
Der eine Titel hörte sich nach einem angenehm altbackenen Kriminalroman an, nach einer ironischen Hommage an die Zeiten, als
Privatdetektive noch ihre kleinen grauen Zellen aktivierten, um Mordfälle in den besseren Kreisen zu lösen. Und der andere, ein Debüt, klang nach Lokalkolorit und regionalem Zungenschlag.
Joachim Feldmann stellt überraschend fest, dass die Kurpfalz in Marcus Imbsweilers "Bergfriedhof" mehr Spaß macht, als das San Francisco in William C. Gordons "Der Tote im Smoking" ... mehr
Das Privatleben der Ermittler
Gewöhnt hat man sich als Krimileser ja
mittlerweile an die ausführlichen Schilderungen des Privatlebens der Ermittler.
Relativ neu hingegen ist die Masche, den Leser ausgiebig am Privatleben von Nebenfiguren teilhaben zu lassen. Eine dürftige Handlung lässt sich so mühelos zu einem 500-Seiten-Roman aufblähen.
Joachim Feldmann hat mit Bruno Morchios "Kalter Wind in Genua" und Silvia Roths "Der Beutegänger" ein atmosphärisch dichtes und ein abschreckendes Beispiel gefunden ... mehr
Verprügelte Detektive
Szenen, in denen der Held Prügel bezieht, ohne sich angemessen wehren zu können, gehören schließlich zur Standardausstattung des Detektivromans amerikanischer Prägung.
D "Darkness folded and I went down", heißt es schon in der Kurzgeschichte "Trouble Is My Business", die Raymond Chandler im August 1939 in dem Magazin "Dime Detective" veröffentlichte. Joachim Feldmann hat es aber nicht schlecht gefallen, mal mit einem praktisch unbesiegbaren Helden unterwegs zu sein. Sich verprügeln lassen, kann schließlich jeder.
Joachim Feldmann über Privatdetektiv Spenser, den Roman "Der stille Schüler" von Robert B. Parker und über ein paar verprügelte Detektive der Kriminalliteratur ... mehr
Bereicherung auf hohem Niveau
Es gibt Tage, da ist der Kritiker das Meckern leid. Ihm ist zwar klar, dass es erheblich mehr miserable als gute Bücher gibt, aber warum soll ausgerechnet er sich damit auseinandersetzen?
Darum entschließt er sich in solchen Momenten, von jetzt an nur noch zu loben. Dies fällt ihm um so leichter, als er in den letzten Wochen eine ganze Reihe von Büchern gelesen hat, die ihm Freude gemacht haben und ein handwerkliches Niveau präsentieren, wie man es in den siebziger und achtziger Jahren von amerikanischen Autoren gewohnt war.
Joachim Feldmann über Maigret und über die Romane "Späte Ruhestörung" von Frank Schmitter und "Eisblumen" von Walter Wolter ... mehr
Heimelig mit Nervenkitzel
Krimis aus dem
Grafit-Verlag sind ein bisschen wie der sonntägliche "Tatort". Man weiß vorher, dass man vielleicht enttäuscht werden wird. Und manchmal findet sich wider Erwarten ja auch eine Perle unter all der Krimiunterhaltungskonfektionsware. Jürgen Kehrers Wilsberg-Romane haben eine solche Überraschung allerdings noch vor sich. Auch Jacques Berndorfs jüngstes Eifel-Verbrechen hat etwas vom Charme einer TV-Seifenoper und trägt sicherlich nicht wenig zum Erfolg der Eifel-Krimis bei.
Joachim Feldmann über die Romane "Wilsberg und die dritte Generation" und "Eifel-Kreuz" ... mehr
Umittelbare Gegenwart?
Ahmet Ümits im Herbst letzten Jahres in der neuen Türkischen Bibliothek des Unionsverlags veröffentlichter Roman "Nacht und Nebel" verfügt über alle Ingredienzien eines literarisch ambitionierten Krimis. Fragt sich nur, in welcher Zeit die Handlung des Romans angesiedelt ist.
Rezensenten glauben, "Nacht und Nebel" enthalte keine Jahreszahl. Joachim Feldmann wundert sich. Er hat etwas sehr Konkretes im Buch gelesen ... mehr ...
Mittelmäßige Helden?
Es ist Sommer und die Krimiproduktion läuft auf Hochtouren. Vor allem jenes Genre, dem es vor allem auf die Wiedererkennbarkeit des Schauplatzes ankommt, boomt. Wer zum Beispiel seine Sommerfrische auf der Nordseeinsel Borkum verbringt, kann mindestens zwei Kriminalromane mit an den Strand nehmen, die, von Ortskundigen verfasst, versprechen, dass auch hier die fiktionale Welt nicht mehr in Ordnung ist. Dröger noch als ein Nordseekrimi müssten eigentlich Mordgeschichten aus dem Sauerland daherkommen. Wie man sich täuschen kann!
Joachim Feldmann hat Romane von Ocke Aukes und Gunnar Steinbach gelesen ...mehr
Besser schwedisch lernen
"Es sind die besten Thriller unserer Tage, die Arne Dahl schreibt", meint ZEIT-Autor Tobias Gohlis und Katharina Granzin findet in der TAZ, es habe seit Sjöwall/Wahlöö keinen besseren Grund gegeben, Schwedisch zu lernen.
Vielleicht sollte man diesen Rat wirklich ernster nehmen, als er wahrscheinlich gemeint ist. Denn wirkliches Vergnügen bereitet die deutsche Fassung des Routiniers Wolfgang Butt, der auch Henning Mankell und Per Olov Enquist übersetzt, nicht.
Selbst wenn es sich "nur" um einen überdurchschnittlich ambitionierten Spannungsroman handelt, ein wenig mehr editorische Sorgfalt hätte "Tiefer Schmerz" allemal verdient ... mehr
Narratives Trümmerfeld und lakonische Dialoge
Eigentlich wollte Joachim Feldmann in dieser Kolumne ja über den vergessenen deutsch-amerikanischen Psychologieprofessor und Verfasser harter Kriminalromane Peter Rabe schreiben. Aber dann hat er sich mit wachsendem Missvergnügen an einem Buch versucht, daß derzeit sehr viele lesen, Liza Marklunds "Der Rote Wolf". Beinahe reumütig geriet Feldmanns Rückkehr zu Peter Rabe, auf dessen Gangstergeschichte "The Out Is Death" er in einem Pappkarton mit alten Büchern im walisischen Küstendörfchen Aberdaron stieß. Beinahe eine Offenbarung, denn kein überflüssiges Wort stört die perfekte Komposition dieses minimalistischen Meisterwerks ... mehr
Vom Vollständigkeitswahn.
Wie wird man zum leidenschaftlichen Krimileser? Das erläutert Ihnen Joachim Feldmann am eigenen Beispiel in seiner Krimikolumne. Und er führt aus, welche Folgen das für jemanden hat, der dem Vollständigkeitswahn verfallen ist. Wer sich nämlich zum falschen Zeitpunkt für einen Autor interessiert, wird feststellen, wie schnell Titel aus dem Programm fliegen, die sich nicht wunschgemäß verkaufen. Und dann fängt das Suchen an und dabei entdeckt der Sammler immer neue lesens- und sammelwerte Autoren ... mehr
Lewis Carroll & das 87. Polizeirevier
Der Einfluss von Lewis Carrolls
"Alice"-Büchern auf die populäre Kultur ist kaum zu unterschätzen. Auf die Idee allerdings, das "Jabberwocky" - Poem als Textgrundlage für einen Top-10-Hit zu nutzen, muss erst einmal jemand kommen.Dieser Jemand heißt Barney Loomis, Chef der Plattenfirma Bison Records und eine der Hauptfiguren in "The Frumious Bandersnatch", Ed McBains 53. Roman über das 87. Polizeirevier.
Was Ed Mac Bain mit Lewis-Carroll und, ja, mit Maj Sjöwall und Per Wahlöö zu tun hat, das erzählt Ihnen Joachim Feldmann in seiner Krimikolumne ... mehr
Mehr Normalität bitte!
Haben Sie sich nicht auch schon einmal gewünscht, in die Handlung eines Romans einzugreifen? Sie könnten den feinen Signor Brunetti nach Sizilien strafversetzen lassen und seiner Gattin zu einer stürmischen Affäre mit Aurelio Zen verhelfen. Oder den mürrischen Kommissar Wallander mit anständigem Essen versorgen.
Joachim Feldmann wünscht sich in einem bescheidenen Appell etwas mehr Normalität im Kriminalroman und berichtet von Jasper Ffordes Fantasy-Serie und einem neuen Kommissar in Münster ...
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Das Plakat
Eine kleine Bemerkung zum neuen Roman von John Le Carré
Die Kritik ist des Lobes voll über John Le Carrés neuen Roman "Absolute Friends" (dt. Absolute Freunde. List 2004), und sie hat natürlich recht, meint Joachim Feldmann in seinem Beitrag für die Alligatorpapiere. Doch bei der Lektüre sind ihm ein paar historische Merkwürdigkeiten dieses Romans aufgefallen und er fragt sich, ob er wirklich der einzige Leser ist, dem das seltsam vorkommt ... mehr