von der Stadt, ob als Müllmann oder Gesundheitsinspektor. Ihre Qualifikation für die Stelle war zweitrangig, so lange sie in der politischen Kärrnerarbeit nicht erlahmten."
stellt sich der Held zu Beginn seines ersten Abenteuers "The Junkyard Dog" (1986, dt. "Kettenhund") vor, "meine Mutter, die vor acht Jahren an Krebs starb - Gott habe sie selig - nannte mich James. Mein Vater ruft mich Jim. Für Freunde bin ich Jimmy.
Arschlöcher nennen mich Jimbo." Und in diesem sympathischen Ton geht es weiter, wenn Flannery im nächsten Absatz erklärt, was er mit der Demokratischen Partei in Chicago zu tun hat. Bereits sein Vater war ein treuer Parteiaktivist und Precinct Captain und Jimmy tritt brav in seine Fußstapfen. Offiziell ist er für die Kontrolle Abwasserkanäle zuständig, tatsächlich kümmert er sich um alles Mögliche. Und weil er zwar einerseits ein rechtes Schlitzohr, andererseits aber ein aufrichtiger Kerl mit einem gesunden Sinn für Gut und Böse ist, gerät er regelmäßig in Konflikt mit dem Parteiklüngel. Dabei versucht er alles andere als idealistisch zu wirken. Überhaupt findet er wenig falsch daran, "seinen Leuten" bei Problemen aller Art zur Seite zu stehen, um sie dann bei der nächsten Wahl daran zu erinnern. Illusionen über die Mächtigen hat er keine. "Der neue Bürgermeister hat versprochen, die alte Parteimaschine zu verschrotten. Bislang ist er aber noch nicht dazu gekommen. Vielleicht macht er es ja wie sein Vorgänger und nutzt sie, solange er kann." Denn dass es mit dieser Art der Vetternwirtschaft bald ein Ende haben wird, davon ist Flannery überzeugt, die einzige Unsicherheit scheint ihm, welche Form von Korruption an ihre Stelle treten wird.
Tatsächlich ist die Abwicklung der alten Machtstrukturen bis jetzt noch nicht abgeschlossen, auch wenn Dan Rostenkowski, ein Veteran des Chicagoer Parteiapparats, der in den neunziger Jahren wegen Geldwäsche 15 Monate hinter Gitter musste, im Gespräch mit dem Reporter der FAZ schon die unangenehmen Begleiterscheinungen der Anti-Korruptionspolitik beklagt: "Wenn heute ein Parteifunktionär auch nur jemanden empfiehlt für einen Job, dann kommt schon der Bundesanwalt und droht mit Gefängnis." Leider können wir nicht mehr nachlesen, wie ein Jim Flannery sich in diesen neuen Verhältnissen zurechtgefunden hätte. "Pigeon Pie", der letzte Roman um den gutherzigen Amateurermittler erschien 1999, ein Jahr vor Campbells Tod. Lieferbar ist übrigens keines seiner Bücher mehr, weder die Originale noch die wenigen Übersetzungen, die vor Jahren in Basteis Schwarzer Serie erschienen sind. Fündig wird man aber in den einschlägigen Internet-Antiquariaten. Dabei lasse man sich von den manchmal blöden deutschen Titeln nicht abschrecken. Weiß der Teufel, warum man glaubte, den dritten Flannery-Roman "Hip-deep in Alligators" als "Krokodile weinen nicht" auf den Markt bringen zu müssen. Da möchte man gar nicht erst darüber nachdenken, was wohl aus einer der schönsten Titel-Kreationen Campbells geworden wäre, dem unvergleichlichen "Nibbled to Death by Ducks".
Links:
Mordlust
Fantastic Fiction
L.A. Times