Eigentlich wollte ich diesen kleinen Besinnungsaufsatz mit dem Geständnis beginnen, dass ich mich nicht erinnern kann als Kind Kriminalromane gelesen zu haben. Gerne sah ich Rupert Davies als Kommissar Maigret in der samstäglich ausgestrahlten Fernsehserie oder lauschte den Abenteuern des Meisterdetektivs Kalle Blomquist am Radio. Gelesen aber habe ich fast nichts außer Karl May. So meinte ich zumindest, bis mir Tefan Tiegelmann einfiel. Tiegelmann war ein skurriler schwedischer Privatdetektiv in Sherlock-Holmes-Manier, der durch eine voluminöse Dienstpistole und eine kleine Reservewaffe zu beeindrucken wusste. Außer den beiden Tiegelmann-Abenteuern, die ich wahrscheinlich zu irgendeinem Geburtstag geschenkt bekam, scheint es noch eine ganze Reihe weitere Bände gegeben zu haben. Und wäre meine kindliche Vorstellungswelt nicht bereits durch attraktivere Helden wie Winnetou oder Kara Ben Nemsi okkupiert gewesen, hätte ich wahrscheinlich alles daran gesetzt, den kompletten Tiegelmann mein Eigen zu nennen. So aber strich ich weiter einen nach dem anderen der damals 70 Titel ab, die in jedem der grünen Bände aus Bamberg aufgelistet waren.
Zur ernsthaften Lektüre war außer sozialkritischen Sachbüchern nur seriöse Literatur zugelassen. Deshalb schlichen sich die Kriminalromane praktisch durch die Hintertür wieder ein: Hammett und Chandler in repräsentativen Kassetten aus dem angesehenen Diogenes-Verlag geadelt durch die Eindeutschung durch den Ulysses-Übersetzer Hans Wollschläger, und die zehn Martin Beck-Romane von Sjöwall/Wahlöö, die in den siebziger Jahren in jeder linken Buchhandlung zu finden waren.
Drumherum, vom Orchideengarten bis zur Feinschmeckerküche. Doch als ich weiteren Stoff verlangte, stellte ich rasch fest, wie klein das Angebot lieferbarer Bücher von Rex Stout war. Ein paar gab es bei Ullstein, ein paar bei Goldmann, und das war es auch schon. Also wurde ich zum regelmäßigen Besucher zwielichtiger An- und Verkaufsläden, um dort große Kisten voller Taschenbücher zu durchwühlen. Ehrbare Antiquariate, das hatte ich bald heraus, führten solche Art von Literatur nämlich überhaupt nicht. Aber beim Trödler wurde ich rasch fündig und noch immer ziert die Beute in Form von cirka zwei Dutzend Rex Stout-Romanen mein Krimiregal.
Doch zum Glück macht man auch als relativ belesener Krimifreund immer wieder Entdeckungen, manchmal sogar an völlig unerwarteten Orten. So musste ich erst nach Wales fahren, um in der Bücherkiste eines Wohltätigkeitsbasars auf ein vergammeltes Paperback zu stoßen, das mich endlich mit der dunklen Welt des deutsch-amerikanischen Autors Peter Rabe bekannt machte. Aber dazu mehr im nächsten "Schusswechsel".
Feldmanns Schusswechsel
Ein Service der Alligatorpapiere
im
NordPark
Verlag
Alfred Miersch
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Tel.:0202/51 10 89
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