Dr. Klaus Erfmeyer, im Hauptberuf Rechtsanwalt in Dortmund, ist kein Krimi-Novize. "Geldmarie" ist bereits der dritte Roman, in dem sich der junge Anwalt Stephan Knobel (ebenfalls Dortmund) als Ermittler betätigt. Sein Erstling "Karrieresprung" verhalf dem Autor 2007 zur Nominierung für einen Glauser in der Sparte "Bester Debüt-Kriminalroman".
Ich habe dieses Buch nicht gelesen. Erfmeyers zweiten Krimi, "Todeserklärung", kenne ich ebenfalls nicht. Und ich befürchte, dass es nach der Lektüre von "Geldmarie" auch dabei bleiben wird.
von Anwaltskanzleien interessiert, findet hier reichhaltiges Material. Für meinen Geschmack hätte es gerne etwas weniger sein können. Zwar bleibt Erfmeyer entgegen dem Trend deutlich unter der 300-Seiten-Marke, doch das Gefühl, aus der "psychologisch packenden und tiefgründigen Geschichte", die der Rezensent Stefan Sprang vom Hessischen Rundfunk gelesen haben will, könnte durch gezielten Einsatz des Rotstifts ein schöner schlanker Krimi werden, nahm während der Lektüre quälende Ausmaße an. Ohne Verlust streichen könnte man beispielsweise die wohl als komische Einlage gedachte Schilderung eines Mittagessens in einem Gourmetrestaurant. Dann wäre einem unduldsamen Leser wie mir auch folgende Textstelle erspart geblieben: "Knobel ließ sich vom Navigationssystem seines Autos lenken. Das 'Parkhotel' kündigte sich auf Hinweisschildern an. Knobel folgte der synthetischen und trotzdem freundlichen Stimme aus dem Gerät, rollte langsam durch die Schaeferstraße in Herne und parkte schließlich vor dem 'Parkhotel', das seinem Namen Ehre machte. Es war ein einladendes älteres Gebäude mit neuem Hoteltrakt daneben, eingebettet in ein Parkgelände mit altem Baumbestand, das Knobel hier nicht vermutet hätte." Wer will das alles wissen? Aber Erfmeyer ist eben kein Autor, der sich mit einem Satz begnügt, wo auch drei stehen könnten. Ein weiteres Beispiel gefällig: "Damals, als er noch angestellter Anwalt in der Kanzlei, die damals noch 'Dr. Hübenthal & Partner' hieß, angefangen hatte, musste er Löffke zuarbeiten. Löffke hatte ihm Akten zur Bearbeitung übergeben, und Knobel brachte sie später zurück, referierte die von ihm erarbeiten (sic!) Vorschläge für die Lösung des Falles. Knobel hatte immer das Gefühl, nicht zu genügen." Ein ähnliches Gefühl scheint auch den Autor zu plagen. Befürchtete Erfmeyer, dass seine Leser sich unter der Formulierung "zuarbeiten" nichts vorstellen können. Würden sie vermuten, Knobel verbrenne die ihm übergebenen Akten, anstatt sie, wie es sich gehört, Löffke zurückzugeben, um dann die "Vorschläge für die Lösung des Falles" für sich zu behalten?
Bibliografie:
Klaus Erfmeyer:
Geldmarie.
Meßkirch, Gmeiner Verlag, 2008
277 Seiten, EUR 9.90